Das Benchmade Puukko 200 im Review mit Custom Lederscheide/ Leather Sheath

Im heutigen Review mal wieder ein Serienmesser, dass ich mir persönlich zugelegt und dafür eine Custom Lederscheide angefertigt habe. Im Detail geht es um das neue Benchmade Puukko 200.

Dass wir das Messer wohl niemals selber anbieten werden bzw. anbieten können hat nichts mit der Qualität des Produktes zu tun. Da wir in unserem Sortiment gezielt und überwiegend nur nordische Messertypen und Bushcrafter vertreiben, fallen einige wenige Hersteller für uns leider grundsätzlich aus dem Pool, sofern deren Produktsortiment überwiegend in eine ganz andere Richtung geht. So auch bei Benchmade. Nur wenige Messer sind hier für uns von Interesse, so dass eine Belieferung leider nicht möglich ist – dies nur vorab….

Als ich das Modell zum ersten Mal sah, hatte es mir sofort die Form des Griffes bzw. das gesamte Design des Messers angetan. Zudem war ich auf der Suche nach einem guten und vor allem auch robusten, nicht zu großen Fulltang Allrounder mit gutem Stahl, den man auch mal härter rannehmen kann. Bei solchen Messern darf man natürlich nie davon ausgehen, dass sie sämtliche Arbeiten grandios erledigen, und genauso ist es auch beim Benchmade Puukko – das Fazit also gleich vorweg:

Das Messer macht praktisch alles mit, kann alles wirklich gut, macht aber nichts perfekt. Es ist für mich unterm Strich aber eben genau das Messer, was ich wollte: ein solider und nicht allzu großer Allrounder mit einer Gesamtlänge von 20,8 cm.

Nun aber alles im Detail:

Der 11,3 cm lange Griff:

Das Griffelement eines Messers ist ein ganz entscheidender Punkt für echte Nutzer. Unzählige an sich eigentlich gute Messer verfügen oftmals über eine rein designorientierte schlechte Griffergonomie, was das Benutzen teilweise sogar zur schmerzenden Qual macht. Einige Modelle bieten eine zu kurze Grifffläche, viele andere nicht ausreichend Volumen, kaum Konturierung oder sind gar scharfkantig.

Das Benchmade punktet hier enorm, denn es liegt einfach klasse in der Hand. Längeres Arbeiten wie Schnitzen geht klaglos über die Bühne. Es macht einfach Spaß mit dem Messer zu arbeiten. Das liegt neben der Form auch am aufgespritzten Griffmaterial Santoprene®, einem Vulkanisat aus speziellem Kautschuk in Verbindung mit Polypropylen. Dieses Material bietet schon allein für sich und hier bei diesem Messer noch zusätzlich mit seiner Struktur ein sehr sicheres und angenehmes Handling bei allen Witterungsverhältnissen. Grad bei einem Messer ohne Guard ist das sehr wichtig. Egal ob große oder kleine Hand – der Griff vom Benchmade Puukko passt !

Leider hat dieses hartgummiartige Material aber einen entscheidenden Nachteil, zu dem ich später noch kommen werde.

Die Klinge:

Als Klingenstahl kommt bei der 9,5 cm langen und 3,5 mm starken Benchmade Puukko Fulltangklinge der pulvermettalurgische CPM3V Stahl zum Einsatz. Dieser Stahl gilt mit nur 7,5 % Chromanteil zwar nicht als rostfrei, besticht aber durch eine enorme Zähigkeit und eine hervorragende Schnitthaltigkeit. Auch die zu erzielende hohe Endschärfe ist schlichtweg hervorragend. So lassen sich mit diesem Messer problemlos auch kleinere Spaltarbeiten erledigen, ohne Gefahr zu laufen, dass der Anschliff Ausbrüche davonträgt. Klassische Steckangel-Puukkos mit anderen Klingenstählen und Anschliffen mögen zwar bei normalen Holzarbeiten wie Schnitzen und Spanen noch eine Idee bissiger sein, allerdings sind sie für schwerere Arbeiten wie Batoning definitiv nicht gemacht.

Die langanhaltende Schnitthaltigkeit ist ebenfalls ein großer Pluspunkt bei längeren Touren.

Das Gewicht:

Mit 130 gramm fällt das grifflastige Benchmade Puukko relativ leicht aus. Manche mögen das, für mich aber dürfte es ruhig 30 gramm schwerer sein.

Die Scheide:

Rein optisch gefällt sie recht gut, allerdings – und da wird man sich wohl auch dauerhaft dran gewöhnen müssen – sind Serienlederscheiden in fast allen Fällen einfach keine Glanzleistungen. Naht und Ösen sind auch bei der Benchmade Puukko Scheide kein Highlight.

Die Lederscheide ist beim Benchmade Puukko praktisch komplett mit einem innen liegenden Kunststoffeinsatz versehen, der im unteren Bereich natürlich vor allem dem Schutz des Leders vor Durchschneidung/ Durchstechung dient. Das Messer sitzt nicht sehr tief und leider auch überhaupt nicht fest in diesem Einsatz, so dass sie wohl keinem echten Nutzer als dauerhaftes Behältnis dienen wird. Dreht man die Scheide auf den Kopf, fällt das Messer sofort heraus. Damit fällt die beigefügte Lederscheide leider komplett durch.

Auch der Dangler mit nur einem Druckknopf macht keinen besonders soliden und verlässlichen Eindruck.

Ich habe mir daher für das Messer eine Customlederscheide angefertigt, und da komme ich nun zu dem besagten Nachteil des Griffmaterials. Nicht umsonst hat der Hersteller in die Scheide einen kompletten und ganz glatten Kunststoffeinsatz integriert. Würde die Scheide nur aus passgenauem Leder bestehen, würde das Messer durch die hohe Reibung des Gummigriffes nur schwer einzustecken und zu ziehen sein. Daneben würde sich das Leder aufreiben und ebenso auch der Griff, der schon nach kurzer Zeit dadurch sehr unansehnlich wäre.

Von einer Kydex® Scheide sehe ich ab, da der ohne Guard versehene Griff im Puukkostyle keine Rastermöglichkeit bietet. Daneben halte ich Kydex® Scheiden bei einem Gummigriff ohnehin für ungeeignet.

Was also bleibt ist im Grunde nur die Form einer klassischen Steckscheide, bei der lediglich die Klinge in das Leder gleitet und das Messer via Riemen oben am Griff gesichert wird. Optisch sind solche Scheiden für so einen Messertyp und auch wegen der geringen Messergröße weniger geeignet, und deshalb habe ich meine Lederscheide etwas anders gestaltet bzw. minimalisiert.

Die Scheide besteht im Grunde aus einem Klingenschutz, an dem ich einen D-Ring angebracht habe. Dieser nimmt dann einen Dangler auf, an dem oben noch zusätzlich ein kleiner Riemen mit Druckknopf angenäht ist.

Optik:

Wie schon eingangs erwähnt, gefällt mir die Linie und die Haptik des Messers ausgezeichnet. Trotzdem haftet auch dem Benchmade auf Grund des Griffmaterials mehr oder weniger die Optik eines „Plastikmessers“ an. Andere Griffmaterialien, und damit meine ich nicht nur stabilisierte Hölzer, sondern einfach nur G10 oder Micarta wirken einfach wertiger, gehen dann aber eben zu Lasten eines höheren Gesamtgewichtes und sind bei einer derartigen Griffgestaltung ( aufgespritzter Griff) praktisch nicht realisierbar.

Preis:

Alle US bzw. Übersee Messer sind hierzulande eigentlich immer zu teuer. Meist sogar viel zu teuer im Verhältnis zu US Preisen und auch im Verhältnis dazu gesehen, was man da in den Händen hält. Das liegt eigentlich nur daran, dass kaum ein Einzelhändler Messer außerhalb der EU direkt selber importiert, sondern fast immer noch ein Großhändler bzw. Importeur dazwischengeschaltet ist. Alle müssen an einem Messer verdienen, und so verteuert sich Überseeware halt um ein Vielfaches.

Beim Benchmade Puukko ist das erfreulicherweise nicht ganz so extrem wie bei anderen Modellen bzw. Herstellern der Fall. Mit um die 150 Euro ist das Messer noch bezahlbar. Ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis des Gesamtpaketes ist meines Erachtens aber auch bei diesem Messer – insbesondere wegen der wirklich schlechten Serienlederscheide – nicht gegeben.

Dem Messer an sich gebe ich 9 von 10 Punkten. Als Gesamtpaket werden es nur 7 von 10.

Wer sich selber eine Custom Lederscheide anfertigen kann, ist mit dem Messer sicher sehr gut bedient. Wer sich etwas anfertigen lassen muss, landet am Ende dann doch bei um die 300 Euro. Damit kommt man dann preislich schon wieder in den Bereich eines kompletten Custom Paketes….

Material für den Messerbau und Serienmesser sind bei uns im Shop erhältlich: PUHALA