Puukko mit Lederscheibengriff – Messer selber bauen

Einen Steckangelmessergriff aus Lederscheiben zu fertigen hat immer etwas ganz Besonderes. Allerdings ist diese Art von Griff bei weitem nicht so schnell fertiggestellt wie ein herkömmliches Exemplar aus nur einem Kantel bzw. wenigen Komponenten. Heute mal ein paar Bilder und Infos dazu….

Gleich vorab das fertige Messer – bis es soweit ist, steht Einiges an Arbeit an:

Verwendet habe ich für mein neuestes Custom Puukko insgesamt 35 Lederscheiben, 9 schwarze G10 Scheiben, 1 dünne Aluplatte und 2 Stücke stabilisierte Maserbirke. Gemeinsam mit Passung und Endstück aus Aluminium habe ich insgesamt 49 Einzelteile verbaut. Als Klinge habe ich eine Polar stainless Scandi Klinge genutzt. Diese ist bei uns im Online Shop PUHALA unter der Art. Nr 5274 erhältlich. Sie ist mein persönlicher Favorit für ein nicht zu langes, kräftiges und extrem stabiles Puukko mit einem satten Griff und einer soliden Klingenbreite.

Selbstverständlich kann man zur Herstellung ein bereits fertig ausgestanztes Front- und Endstück nutzen, bei dem man im Regelfall nur noch eine geringe Anpassung vornehmen muss. Allerdings sind diese Fertigteile immer recht dünn, so dass ich als Erstes selber eine Passung aus 4 mm starkem Aluminium angefertigt habe. Der Erlschlitz muss sehr präzise ausgefeilt werden, damit kein unschöner Spalt zwischen Klinge und Passung entsteht. Diese Arbeit ist sehr zeitaufwändig und muss penibel durchgeführt werden. Anfängern rate ich in jedem Fall zu einer Fertigpassung, insbesondere dann, wenn eine Klinge ohne Ricasso bzw. Fehlschärfe verwendet wird.

Nachdem der Passungsschlitz fertiggestellt ist, bringe ich das Frontstück am Tellerschleifer bereits in seine annähernde Endform. Dies empfiehlt sich, da später bei der Formgebung des Griffes am Bandschleifer sonst zu viel Material abgenommen werden muss. Da Metall beim Schleifen extrem heiß wird und diese Hitze natürlich leitet, kann sich das u. U. sehr ungünstig auf die spätere Verklebung im vorderen Bereich auswirken. Die Passung wird nun bereits an der Stirnseite komplett fertig bearbeitet, da man diesen Bereich nach dem Einsetzen der Klinge nicht mehr gleichmäßig schleifen und polieren kann. Satinieren oder Hochglanz – wie man es persönlich mag….

Dann werden alle Bauteile auf ein gleiches Maß gebracht. 4 x 3 cm nutze ich dabei als Standardmaß. Man hat so später ausreichend Material für die Griffformung zur Verfügung.

Da ich in diesem Fall ein ganz besonders hartes Spießleder genutzt habe, wurde auch dieses an der Bandsäge zugeschnitten. Ein Schneiden dieses Leders mit einem Cutter ist zwar möglich, aber nur sehr schwer durchführbar. Es sind viele Einschnitte nötig, um das extreme zähe und harte Material durchtrennen zu können.

Vorab habe ich natürlich die Länge des Griffes bestimmt, die gewählten Bauelemente berechnet und gleichmäßig verteilt. Nur zum Ende hin habe ich eine leichte Abänderung im Vergleich zum vorderen Bereich vorgenommen. Zu beachten gilt hier, dass auch Spießleder beim Verkleben bzw. Pressen noch etwas zusammengedrückt wird. Da der Erl am Griffende bei einem Scheibengriff noch vernietet werden muss, benötigt man hier entsprechend Überstand – dieser bemisst sich nach der Art der Vernietung: entweder etwas kürzer, wenn man in der Platte vernieten möchte oder eben etwas länger, wenn auf der Endplatte mit einer Nietscheibe vernietet werden soll.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Bauweise – also alle Einzelteile nacheinander auszunehmen und zu verkleben – habe ich zunächst zwei „Lederhauptblöcke“ aus jeweils 16 Lederscheiben hergestellt. Vor dem Verkleben muss noch die Hautseite des Leders aufgeraut werden. Jeder der beiden Blöcke hat nach dem Verkleben eine Länge von 40 mm – jede einzelne Lederscheibe dementsprechend eine Stärke von 2,5 mm. Zum Verpressen dieser beiden Hauptelemente nutze ich dieses Hilfsmittel, das man sich leicht selber anfertigen kann:

Nach dem präzisen Ausnehmen der einzelnen Bauteile inkl. dem Aluendstück ( hier einmal alle Teile lose aufgeschoben),

können diese auf dem Erl verklebt werden, und das Messer kommt in die Presse:

Nach dem Aushärten wird der Erl am Griffende vernietet. Wie man das genau macht, bzw. welche Möglichkeiten es gibt, habe ich hier im Blog bereits dargestellt.

Nach der Formgebung des Griffes am Bandschleifer mit 40er Korn geht es dann von Hand weiter. Hier der Status nach dem 80er Schliff:

und nach dem  240er Schliff:

So geht es nun immer weiter. Das Leder bearbeite ich dabei in beide Richtungen und auch kreisend, so dass eine immer feinere und glatte Oberfläche ensteht.

Nach Abschluss des 1000er Schliffes habe ich das Leder gewachst, danach immer feiner geschliffen und bis 12000er Korn mit Pads poliert.

Wichtig ist es, dass man für die Alu Bereiche vorn und hinten gesonderte Schleifmittel verwendet, und sowohl diese wie auch der enstehende Metallabrieb nicht mit dem Leder in Kontakt kommt.

Nun ist es fast geschafft. Der blaue Polierpad verfügt über eine 8000er Körnung. Ganz zum Schluss folgt dann noch der 12000er Pad.


Besonders aufwändig ist das Polieren des Abschlussstückes, denn die Vernietung steht in diesem Fall hervor, so dass man keine plane Fläche bearbeiten kann. Es ist also auch hier ratsam, bereits vor dem Verkleben das Endstück als loses Einzelteil gut und sauber vorzuarbeiten.

Fertig ist das Puukko mit Lederscheibengriff: