Puukko Bau im Detail: Passung/ Frontbolster selber anfertigen

In diesem Beitrag zeige und beschreibe ich noch einmal ganz besonders ausführlich die einzelnen Arbeitsschritte, die bei der kompletten Selbstanfertigung einer Passung für eine Puukko Klinge anfallen.

Bei dem verwendeten Material handelt es sich um 5 mm starkes Neusilber. Neusilber ist rostfrei und besteht aus einer Kupfer, Nickel und Zink Legierung. Im Gegensatz zu Messing ist Neusilber deutlich härter und dementsprechend schwerer zu bearbeiten. Bei einer Messerpassung liegt der Vorteil vor allem darin, dass das Material sehr widerstandsfähig gegenüber Verkratzungen bzw. Beschädigungen ist.

Beim Bau einer solchen Passung muss man mit großer Sorgfalt vorgehen, um ein wirklich präzises und fachmännisches Ergebnis zu erzielen. Letztendlich ist so eine Passung sozusagen ein Schmuckstück für jedes Messer, und je exakter sie gefertigt ist, desto wertiger wird am Ende auch das gesamte Messer sein.

Schritt 1:

Es wird eine kleine Platte aus 5 mm starkem Neusilber zugesägt (im Regelfall nimmt man in etwa das Maß 2,5 – 3 x 4 cm), und ganz exakt am Tellerschleifer winklig geschliffen.

Schritt 2:

Damit die Passung später aufgetrieben werden kann, muss das Material im Bereich des Erldurchlasses auf der Rückseite ausgedünnt werden. Zunächst wird die Mitte angerissen, und danach dann 3 versetzte Senkbohrungen in 7 mm Stärke durchgeführt. Als Erstes in der Mitte und danach jeweils rechts und links leicht versetzt. Der Abstand richtet sich hier nach dem Maximum vorn am Erl.

Um das Durchbohren zu vermeiden, stellt man die Bohrtiefe bei der Ständerbohrmaschine so ein, dass noch mind. 2 mm Material in der Mitte / an der Bohrerspitze stehen bleiben. Wichtig: einen guten und scharfen Bohrer verwenden, damit dieser sauber schneidet und nicht in die bereits gebohrte Senkung in der Mitte abrutscht. Außerdem: langsam bohren!

Schritt 3:

Auf der später sichtbaren Gegenseite wird ebenfalls die Mitte präzise angezeichnet, und danach der Erldurchlass mit leichtem Untermaß mit einer Reißnadel angerissen. Die Maße hierfür nimmt man mit einer Schieblehre von der Klinge ab.

Zum Schutz der Schneide und vor allem der Finger, wird die Klinge  mit Kreppband abgeklebt. Der Klingenansatz bleibt frei, damit man später den exakten Sitz der Passung kontrollieren kann.

Innerhalb des angerissenen Bereiches werden nun kleine Bohrungen vorgenommen. Die Bohrlöcher müssen innerhalb der Markierung bleiben und parallel verlaufen. Gesetzt wurden hier drei  2,5 mm Bohrungen oben bis mittig und jeweils eine 2 mm und 1,5 mm Bohrung nach unten hin.

Schritt 5:

Mit einer Nadelfeile werden nun die oberen Löcher durchbrochen bzw. verbunden. Bei Neusilber ist das ein recht mühsames Geschäft. Die Bohrlöcher sollten also möglichst dicht beieinander liegen, damit man nur wenig Material entfernen muss. Zunächst nimmt man hierfür eine kleine – spitz zulaufende Rundfeile. Die Feile von oben nach unten arbeiten lassen, nur ganz geringen Seitendruck ausüben und selbstverständlich keine Gewalt anwenden. Die hoch gehärteten Feilen brechen sonst sofort ab.

Schritt 6:

Sobald der Schlitz breit genug ist, werden die Kanten mit einer Flach- und oben mit einer Vierkantfeile begradigt. Die Reißnadelmarkierung gibt vor, wie weit man gehen muss.Danach widmet man sich dem unteren Bereich. Bei einer Puukkoklinge ohne Ricasso muss dieser V-förmig auslaufen und entsprechend der Markierung ausgefeilt werden. Anfängern empfehle ich immer eine Klinge mit Ricasso bzw. Fehlschärfe zu nutzen, da der Schlitz dann einfach nur rechteckig ausgenommen wird.

Nun ist auch die V-Form ausgefeilt, und man erkennt schon ungefähr, was das hier eigentlich werden soll. Bis zu diesem Zeitpunkt sind ca. 2 Stunden vergangen. Von der anderen Seite sieht die angehende Passung dann so aus:

Schritt 7:

Bei meiner Passung stehen zum Teil noch  mehr als 2 mm Material. Die Rückseite nehme ich deshalb noch mit einem kleinen Frässtift weiter aus und begradige die Senkbohrungen. Nun ist eine komplett gleichmäßige Mulde entstanden, die etwa 3 mm tief ist. Unten stehen nun noch etwa 2 mm Material.

Schritt 8:

Bevor die Passung nun schrittweise aufgetrieben wird, muss der Erl des Messers noch leicht konisch bzw. nach hinten auslaufend etwas dünner geschliffen werden. Erst vorn am Anschlag darf der Erl sein Maximum an Stärke erreichen. Dadurch wird gewährleistet, dass die Passung am Ende ganz bündig bzw. gänzlich ohne Spalt anliegt.

Schritt 9:

Nun wird die Passung nach und nach schrittweise mit einer Lochpfeife und einem Holzhammer auf den Erl immer weiter aufgetrieben, zwischendurch wieder abgenommen, und es wird stets etwas größer gefeilt. Hier gilt die Devise: lieber erst einmal etwas weniger als zu viel Material abtragen. Vor allem bei dem unteren Winkel des Klingenanschliffes muss man aufpassen, dass dieser beim Feilen eingehalten wird.

So rutscht die Passung nun Zentimeter für Zentimeter weiter nach vorn.

Zum Ende hin muss die Passung dann oben nach innen hin rund gefeilt werden, damit sich die Rundung am Erl komplett anlegen kann. Zudem bildet sich beim letzten Auftreiben ein Abdruck auf der Passung vom unteren Schneidenbereich. Mit einer kleinen Dreiecksfeile muss auch hier zumeist noch ein wenig Material nach innen weggefeilt werden.


An der fertigen Passung sehen diese Vertiefungen dann am Ende so aus:

Nach ca. 4 Stunden Arbeitszeit ist die Passung dann fertiggestellt, liegt oben und unten ganz sauber an, und auch an den Flanken ist kein Spalt zu erkennen.

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Material für den Puukkobau ist bei uns im Shop erhältlich: PUHALA