Outdoormesser im Test: Gerber® Bear Grylls Ultimate Survival Knife Plain Edge

Das Thema Outdoor und Survival erfreut sich immer größerer Beliebtheit, so dass es kommerziell stark vermarktet wird. Dieses zeigt sich insbesondere auch im Equipment Bereich, wobei Outdoor- und Survival Messer hier einen besonders großen Platz einnehmen.
Der Hersteller Gerber® bietet ein großes Angebot mit der Produktlinie Bear Grylls. Das Zugpferd der Serie ist das Ultimate Survival Knife.

Kenner der Materie wissen natürlich, dass ein solches Messer im Bedarfsfall nicht unbedingt das Non plus Ultra ist – aber wie gut oder schlecht ist das ultimative Survival Messer von Gerber® samt Scheide eigentlich? Reicht es für den Normalnutzer aus? Wie steht es um Stabilität, Praxisnähe und den allgemeinen Gebrauchswert?

Das Messer ist bereits längere Zeit erhältlich. In der ersten Version verfügt das Messer über einen linksseitigen Teilwellenschliff. Als das Messer seinerzeit noch in recht geringen Stückzahlen in Deutschland verkauft wurde, musste man noch einen stolzen Preis von 140 Euro zahlen. Mittlerweile sind die Messer aber deutlich günstiger erhältlich.

Da viele Nutzer den Wellenschliff nicht wünschen, wurde zwischenzeitlich ein weiteres Modell mit einer Plain Edge Klinge auf den Markt gebracht. Relativ neu ist das Modell Pro in Fulltangausführung mit aufgesetzten Griffschalen.

Für den Test habe ich das „erste Modell“ mit Glattschliffklinge genommen, da man es mittlerweile für um die 50 Euro erwerben kann. Die Wellenschliffvariante ist zum Teil sogar noch preiswerter.
Das ist das Messer – fast jeder wird es kennen. Es kommt in einer festen Blisterverpackung – vorn ist das Messer mit dem Feuerstahl und auf der Rückseite die Scheide eingeschweißt.

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Die ersten Eindrücke vom Gesamtpaket….
Der gummierte und 13,2 cm lange Griff ist sehr gut geformt, hat ein ausreichendes Volumen und liegt satt und sicher in der Hand. Der vordere Bereich erinnert an den Griff des LMF II. Die Löcher sollen dazu dienen, das Messer an einen Stock zu binden, um diesen dann als Speer nutzen zu können. Machen wird man das wohl kaum. Am Metallende des Griffes der als Nothammer dienen soll ist eine Signalpfeife angebracht.

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Die Farbgebung ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber ein Auffinden des Messers wird so erheblich vereinfacht. Wie auch immer gehört dieser optische Stil zum gesamten Bear Grylls Sortiment.

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Die Klinge ist exakt 12 cm lang. Damit kann man das Messer ohne Einschränkungen führen. Das gesamte Handling ist sehr gut. Das Messer liegt wirklich prima in der Hand, und die Klingenform ist gut gewählt. Als Stahl kommt rostfreier 7Cr17MoV mit einer Härte von 56 HRC zum Einsatz. Die Klinge hat eine Stärke von 5 mm und besitzt einen leichten Hohlschliff.

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Die Nylonscheide kann nach dem Lösen eines Klettverschlusses aufgeklappt werden – innenliegend befindet sich ein Schleifstein, den ich aber im Regelfall sicher nicht benutzen werde. Im Notfall mag er seinen Dienst tun.

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In die Scheide ist vorn eine Feuerstahlhalterung integriert. Der Feuerstahl wird nach unten herausgezogen – das ist etwas unglücklich gelöst, denn so droht Verlust. Man kann ihn aber zusätzlich sichern.

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Soweit die ersten optischen und unmittelbar greifbaren Punkte. Alles in Allem hinterlässt das Messer soweit einen sehr ordentlichen Eindruck.

Die Funktionsprüfungen:

Ich habe den Feuerstahl etwa 100 x nacheinander aus der Halterung gezogen. Er hält danach noch immer sehr sicher.
Auf dem Rücken der Klinge ist im Ansatzbereich eine blanke Stelle vorhanden – diese dient als Reibefläche für den Feuerstahl, was auch ordentlich funktioniert. Die Kante ist recht scharf, so dass man einen vernünftigen Funkenstrahl erzeugen kann. Der Feuerstahl ist allerdings sehr dünn und nutzt sich schnell ab.

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Nun zum Messer:

Out of the box kommt das Messer sehr scharf geschliffen daher. Das ändert sich allerdings, sobald man das Messer auch nur ein einziges Mal in die Scheide einsteckt bzw. zieht. Schuld daran sind zwei flache Metallzungen, die innen freiliegend oben in der Scheide vorhanden sind, und eben leider auf einer Seite auch Kontakt zum Klingenschliff haben. Die Klinge wird durch das Einstecken und Ziehen dadurch bedingt sofort extrem stumpf bzw. entstehen sogar kleine Scharten in der Klinge.
Das ist sehr ärgerlich, da die Scheide ja nun schon ein erheblicher Bestandteil des Sets ist. Ich habe dann mit einer Zange beide Zungen einfach herausgezogen – so sehen die kleinen Teile aus, und auf dem ersten Bild ist zu erkennen wo sie sitzen:

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Sie dienen dazu, Spannung/ Halt auf die beiden oberen Klemmbacken zu bringen, in denen das Messer einrastet. Eine sehr merkwürdige Konstruktion, zumal es etliche vergleichbare Scheiden gibt, bei denen man so etwas nicht findet – z.B. beim LMF II.
Durch entfernen ist diese Spannung nun zwar nicht mehr gegeben, und der Messergriff rastet auch nicht mehr fest ein, die Scheide ist nun aber zumindest funktionsfähig und zerkratzt jetzt nicht mehr die Klinge. Fixieren kann man den Griff oben mit dem Klett. Eine Ideallösung ist das natürlich nicht, aber das Messer kann so nicht herausrutschen.

Gut zu sehen auf dem Bild – man kann die Hälften nun auseinanderbiegen:

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Mit einem doch recht großen Messer, welches zudem als Survivalmesser angepriesen wird, möchte man natürlich nicht nur ein Stöckchen anspitzen. Das kann das Messer übrigens sehr gut. Die Klinge hat einen leichten Hohlschliff.

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Hacken geht mit 237 gramm Gewicht auch ganz ordentlich – ein Hieb und der 1 cm starke Ast war sauber durchtrennt.

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Holz spalten / Batoning ist auch angesagt….
Das Messer habe ich einige Male durch astfreies, abgelagertes und nicht zu dickes Buchenholz getrieben. Eine Arbeit die ein solides Outdoormesser in diesem Rahmen – also ohne brachiale Gewalt – einfach schaffen muss. Das Ergebnis geht voll in Ordnung, zumal trockenes Buchenholz nicht gerade weich ist. Die Klingenschärfe war danach noch sehr gut. Auch der Klingenrücken hat keinerlei Schaden davon getragen. Die Klingenseiten zeigen lediglich normale Abnutzungsspuren.

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nach dem Batoning noch immer ordentlich scharf:

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Fazit:

Das Gerber® Ultimate Survival Knife ist ein durchaus solides Messer. Die Scheide ist nicht das Gelbe vom Ei, aber das ist leider auch bei erheblich teureren Modellen so. In jedem Fall sollte man den kleinen Metalleinsatz auf der geschärften Klingenseite entfernen, damit der Anschliff bzw. die Schärfe keinen Schaden nehmen. Für um die 50 Euro kann ich das Messer jedenfalls empfehlen. Den Normalnutzer wird es auf jeden Fall zufrieden stellen.

Die Daten zum Abschluss:

Länge gesamt: 25,2 cm
Grifflänge: 13,2 cm
Griffstärke: 1,8 cm
Griffbreite: max. 3,5 cm
Klingenstärke: 5 mm
Klingenlänge: 12 cm
Klingenbreite: 3 cm
Schneidlänge: 11,4cm
Gewicht Messer: 237 gramm
Gewicht Scheide: 146 gramm inkl. Feuerstahl
Stahl: 7Cr17MoV – 56 HRC

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