Outdoormesser Test – welches Messer passt zu mir ?

Bei der Wahl des richtigen Outdoormessers stehen viele Interessierte vor der Entscheidung, welches denn nun das richtige Messer ist.
Pauschal kann man eine solche Frage natürlich nicht beantworten, denn letztendlich kommt es immer darauf an, für was man ein Messer ganz individuell überhaupt verwenden möchte. Hierzu nun einige Anregungen und Gedanken, die ich so aus eigener Erfahrung gesammelt habe – gleich vorweg: für mich persönlich sind das Cold Steel Outdoorsman und das Gerber LMF II eine sehr gute Wahl, wobei ich auch ein Mora Bushcraft Messer mehr als zu schätzen weiß. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen Interessierten weiter. Unten dann noch weitere Bilder und eine Beschreibung zum Outdoorsman und LMF II.
Zunächst sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass ein Messer eben ein Messer ist und bleibt und keine Spaltaxt ist. Ganz im Gegenteil, denn ein Messer soll u.a. auch dazu dienen, andere Werkzeuge herzustellen – z.B. einen Spaltkeil aus Holz oder einfach nur einen Löffel oder eben zum Schnitzen dienen.
Ich persönlich halte das sog. Batoning – also das Spalten von Holz durch Aufschlagen mit einem Schlagholz auf den Klingenrücken – für eine ziemliche Zumutung an ein Messer. Natürlich sollte ein gutes Outdoormesser im Not- bzw. Bedarfsfall auch damit fertig werden, dennoch ist auch ein großes Messer als Messer und nicht als Axt bzw. Beil konzipiert. Wer also ständig auf einem Messerrücken „herum drischt“, braucht sich über einen erhöhten Klingenverschleiß und bei billigen oder dafür absolut nicht konstruierten Messern mit einfachen Stählen über einen Klingenbruch nicht zu wundern. Abgesehen davon eignen sich prinzipiell auch nur solche Messer zum Hacken und vor allem zum Spalten, die über einen durchgehenden Erl, eine fast gleichbleibende kräftige Rückenstärke und ein entsprechendes Eigengewicht verfügen. Messer mit am Ende verschraubtem Griff und dünnem Erl, wie sie z.B. viele Bowies mit Hirschhorn- oder Ledergriff aufweisen, sind ungeeignet.
Das Gerber LMF II ist ein wirklich erstklassiges Messer. Hier in Aktion beim Spalten von ca. 1 Jahr altem Buchenholz. Die Klinge habe ich nach langem Gebrauch komplett neu aufgearbeitet und blank poliert – der Wellenschliff hat trotz intensivem Gebrauch kaum Schaden genommen und musste nur wenig nachgeschliffen werden. Obwohl das Gerber LMF II absolut keine Probleme mit dem Spalten hat, mache ich so etwas nicht gern.
Bzgl. des Gewichtes sind wir nun auch schon bei Punkt 2. Wer ausgeprägte Touren unternimmt legt Wert auf geringes Gewicht. Ein großes und schweres Outdoormesser ist hier eigentlich nur hinderlich. Zudem stellt sich die Frage, zu was man denn nun eigentlich so ein schweres Teil überhaupt nutzen kann. Ich behaupte an dieser Stelle einfach einmal, dass es sich bei den meisten Menschen um „normale“ Wanderer und Camper und nicht um Überlebenskünstler handelt, die sich wochenlang in unberührter Wildnis aufhalten und Bäume mit einem Messer fällen und laufend Brennholz herstellen wollen. Aber auch solche Hardcore Outdoorer bevorzugen oft nur ein kleineres und leichtes Messer ggf. in Kombination mit einer leichten Axt und Machete. Fakt ist jedenfalls, dass große und schwere Outdoormesser nur für grobe Arbeiten tauglich sind.
Im Regelfall wird für den Normalnutzer also ein kleineres und leichtes Modell wie z.B. ein Mora Bushcraft völlig ausreichend sein. Der einzige Nachteil dieser Messerserie liegt eigentlich nur im absolut geringen Gewicht. Ein Hacken ist dadurch so gut wie unmöglich. Da bei den Mora Bushcraft Modellen der Erl zu gut 2/3 in den Griff geht, können aber auch kleinere Spaltarbeiten erledigt werden. Lediglich die Klingenlänge von knapp unter 11 cm begrenzt hier das Einsatzfeld. Die „Mora´s“ stecken eigentlich alles weg und sind dazu aufgrund des skandinavischen Klingenschliffes leicht nachschärfbar.
Gut zu erkennen ist der „Skandi-Schliff“ – die Klingen der Mora Messer können problemlos auf einem Schärfstein wieder haarscharf gemacht werden. Die Bushcraft Modelle sind auch für feinste Arbeiten perfekt geeignet.
Punkt 3 sind dann noch die rechtlichen Aspekte, die man bei der Auswahl berücksichtigen sollte. Deutschland ist leider ein sehr messerfeindliches Land geworden, so dass es bei feststehenden Messern mit einer mehr als 12 cm langen Klinge schnell zu Problemen beim Führen kommen kann.
Trotzdem sollte man sich hier nicht einschüchtern lassen, denn das Führen ist bei berechtigtem Interesse weiterhin nicht verboten. Zum Campen oder auch beim Wandern kommen also nicht nur unsere Hunde mit.
Nun noch zu den Messern: dem Cold Steel Outdoorsman und dem Gerber LMF II:
Da ich persönlich nicht unbedingt ein „Spaltmesser“ benötige, aber trotzdem eine Reserve wünschte, ein wenig Schnitzen und auch mal Hacken möchte, viel meine Entscheidung nach langer Irrfahrt insgesamt auf ein Gerber LMF II.
Das Messer ist wirklich extrem robust und vielseitig. Obwohl das LMF einen Wellenschliff hat, empfinde ich dieses nicht als Nachteil, denn der an sich doch recht weiche Klingenstahl 12C27 ist erstaunlich zäh, schnitthaltig und auch mit dem Wellenschliff lässt sich ganz ordentlich – wenn auch nur grob – schnitzen. Die Feinarbeit erledigt man dann mit dem vorderen Klingenbereich. Auch nach dem Spalten von Buchenholz zeigt sich der Wellenschliff unbeeindruckt.
Das Outdoorsman von Cold Steel ist insgesamt etwas feiner. Zum Spalten habe ich es noch nie genommen. Die Klinge aus San Mai III Stahl ( Dreilagenstahl: innen VG-1 und außen 2 weichere Lagen) ist extrem scharf geschliffen und wie man sieht, sind die Hackergebnisse in einem ca. 8 cm starken frischen Thuja Stamm extrem sauber und echt „heftig“.
Sowohl vor als auch nach dem Hacken besteht das Messer einwandfrei die Feinschnitte in Papier. Gut zu erkennen ist der 3 Lagen Stahl.
Für grobes Hacken ist die Klinge vom Outdoorsman mit einem teilgeschliffenen Klingenrücken versehen – das schont die Hauptklinge. Auffächern von Holz – kein Problem für die extrem scharfe Klinge – nicht mal in altem und sehr trockenem Holz.
Beide Messer gehören für mich zu den besten und vielseitigsten Exemplaren am Markt. Das Cold Steel Outdoorsman ist leider sehr teuer und wird darum oftmals keinen Einsatz finden und in der Vitrine landen – verdient hat es das sicher nicht.
Das Gerber LMF II ist mit ca. 150 Euro deutlich günstiger und damit einfach mein Favorit.
In diesem Sinne – weiterhin viel Spaß in der Natur ……………

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