Outdoormesser Test 2014: meine Fixed Favoriten bis 12 cm Klingenlänge sowie Gebrauchsfolder mit großem Messergriff

Über die Jahre hinweg habe ich hier nun schon viele Outdoormesser vorgestellt, getestet und in den Händen gehalten. So weiß ich wie selten es ist, dass man beim erstmaligen in die Hand nehmen den besonderen AHA Effekt erlebt. Erheblich mitentscheidend für das optimale Feeling ist vor allem der Messergriff. Gerade bei relativ großen Händen ist es sehr schwierig etwas Passendes zu finden – zumindest bei Messern mit kürzeren Klingen, und das trifft zumeist sowohl auf Fixed wie auch auf Folder Modelle zu.

Obwohl ich mit Handschuhgröße XL nicht gerade aus dem Rahmen falle, fühlt sich meine Hand bei kaum einem Griff mal so richtig wohl, denn fast immer gibt es gerade bei Messern mit gemäßigter Klingenlänge in Sachen Griffanatomie, Länge und Volumen etwas zu bemängeln. Oftmals sind die Griffe allein aus optischen Gründen an die Klingenlänge angepasst, so dass Kurzklingenmesser für große Hände schnell mal zu Dreifingermessern werden.
Heute gebe ich einmal einige Tipps für „Großpranken“. Ich zeige einige Messer, die bei mir sehr gut in der Hand liegen und vor allem auch bei längerem und kraftvollem Gebrauch ohne Handschuhe nicht unangenehm werden. Dabei beschränke ich mich auf vielseitige Serienmesser bis 12 cm Klingenlänge und bezahlbare Folder, die man auch nutzen möchte. Auf die jeweiligen Scheiden/ Holster gehe ich nur am Rande ein.

Zunächst einmal wäre da ein „Plastikmesser“:

Das Mora 746 mit 12C27 Klingenstahl kennen sicherlich fast alle. Ein extrem leichtes Arbeitsmesser, was rein optisch sicherlich kein Highlight ist – dafür aber in der Praxis. Es eignet sich überwiegend für reine Schneidaufgaben, steckt aber auch gröbere Arbeiten gut weg. Das Messer hat daneben einen fantastischen und üppigen Griff. Zu der optimalen Formgebung kommt nach das gummierte und strukturierte Griffmaterial hinzu. Der Preis ist unschlagbar – für knapp 14 Euro macht man definitiv nichts falsch. Der einfache Kunststoffköcher hält das Messer sicher, passt aber nur an sehr schmale Gürtel.

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Überrascht hat mich das Muela Rhino mit braunem oder schwarzen Micartagriff, der über ausgeprägte Fräsungen mit sehr weichen Konturen verfügt. Auf Bildern hätte ich zunächst nicht gedacht, dass das Messer derart komfortabel in der Hand liegt. Daneben ist bei diesem Messer auch der hochwertige Klingenstahl 14C28 verarbeitet, es sieht verdammt gut aus, und es ist wirklich toll verarbeitet. Das treibt dann allerdings auch gleich den Preis etwas in die Höhe: das Rhino kostet ca. 115 Euro – dazu gibt es noch eine schöne und brauchbare Lederscheide.
Deutlich preiswerter ist die Ausführung mit glatten Olivenholzschalen – hier dann aber in MOVA Stahl Ausführung für ca. 70 Euro. Auch diese Griffversion liegt sehr angenehm in der Hand und auch die Scheide vom Rhino Olive weiß zu gefallen.

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Dann gibt es da noch das Lionsteel M3 mit einem großen und handfüllenden Griff aus Micarta oder Santos Holz. Die Griffschalen sind CNC gefräst und nicht nur optisch vom feinsten. Die Griffversion aus Holz empfinde ich noch ein klein wenig angenehmer, da Holz eben einfach einen weicheren Eindruck in der Hand vermittelt. Die Klinge aus Niolox Stahl überzeugt mich allerdings nicht so ganz, denn sie lässt sich nur schwer nachschleifen und auch eine absolut hohe Schärfe die man z. B. beim Holzspanen / Druckschnitt wünscht lässt sich nicht erzielen – die Klinge „kratzt“ sich hier etwas durch das Holz, was sich auch bei einem Papiertest mit reinem Zug gegen die Klinge und bei Kurvenschnitten bestätigt. Persönlich hätte ich mir hier den Böhler N690 Stahl gewünscht. Das M3 ist ansonsten äußerst hochwertig und präzise verarbeitet und kostet ca. 135 Euro. Zur Black Micarta Version gehört eine gute Nylonscheide mit Vortasche – das Modell mit Holzschalen findet in einer recht guten Lederscheide Platz.

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Noch ein sehr preiswertes und sehr solides Modell ist das Condor Bushlore mit 1075er Carbonstahlklinge. Auch dieses Messer besitzt einen recht üppigen Griff und spielt in der Bushcraftliga weit oben mit. Daneben hat man dem Messer eine durchaus ansehnliche und vor allem passgenaue Steckscheide aus Leder verpasst. In dem Preissegment um die 50 Euro habe ich im Gesamtpaket bislang nichts Besseres gesehen. Als Nachteil werden einige Nutzer sicher den balligen Anschliff sehen. Mit ein wenig Übung und regelmäßigem Nachschärfen mit einem Leder sehe ich hier allerdings persönlich kein Problem.

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Last not least führe ich noch das Viper Tecnocut Orion I und II an. Das solide Messer verfügt über eine erstklassig gearbeitete Klinge aus Böhler N690 Stahl die ultrascharf angeschliffen ist. Der Griff besitzt eine hervorragende Formgebung. Erhältlich ist es mit schwarz beschichteter Klinge /schwarzen Micartaschalen oder mit satinierter Klinge/ Holzschalen. Letztere Version verfügt zudem noch über einen ausklappbaren Aufreißhaken, der im Griff versenkt wird. Daneben ist die Version mit Holzschalen deutlich leichter und auch optisch eleganter. Das Orion kostet ca. 180 Euro und ist eigentlich mein absoluter Favorit, wenn da nicht die schlechte Scheide aus Leder wäre. Das Messer klappert ohne Riemenverschluss lose in der Scheide umher. Zudem wird beim Einstecken des Messers zwangsläufig immer wieder durch die enorme Schärfe Material an- bzw. sogar abgeschnitten, da die Klinge in der Scheide absolut keine Führung hat.

Wer sich für das Orion als Gebrauchsmesser entscheidet, der wird sich sicher eine Custom Scheide anfertigen lassen, und genau das habe ich gemacht – hier zu sehen: Viper Orion II mit einer edlen Custom Scheide von Siegfried Raschke. Nun ist das Messer perfekt:

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Folder

Klappmesser sind für härtere Arbeiten im Outdoorbereich nicht ganz so gut geeignet, da sie konstruktionsbedingt natürlich nicht an die Robustheit eines feststehenden Messers heranreichen. Das größte Manko ist hier ein öfters mal bereits vorhandenes oder zumindest bei Gebrauch entstehendes, mehr oder weniger stark ausgeprägtes Klingenspiel, was einem die Freude an einem Folder schnell verderben kann. Trotz allem gibt es einige kernige Exemplare, die so Einiges völlig unbeeindruckt wegstecken und bei sachgemäßer Nutzung auch nach vielen Jahren noch „bombenfest“ und „klapperfrei“ verriegeln. Daneben sind sie um die 50-60 Euro zu haben….

Neben den von mir als sehr gut empfundenen Gerber Gator Modellen, hat auch KA-BAR schon seit einigen Jahren ein sehr interessantes und recht großes Klappmesser im Programm, das ich uneingeschränkt empfehlen kann: den Mule Lockback Folder. Der sehr große Griff gepaart mit eingelassenen Kratonstreifen bietet eine sehr gute Handlage. Dazu besitzt das Messer eine alltagstaugliche und beschichtete Hohlschliffklinge aus rostfreiem AUS-8 Stahl, die extrem scharf ausgeschliffen ist und diese Schärfe auch lange hält. Das Mule wird mit einem einfachen aber funktionellen Nylonholster geliefert. Geschlossen wird das Holster mit einem Klett und bei Bedarf zusätzlich noch mit einem Druckknopf.

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Auch Victorinox aus der Schweiz hat sich neuerlich einem großen Folder gewidmet. Griff und auch die Verriegelung wurden völlig neu gestaltet und sind nicht mit den normalen Taschenmessern vergleichbar. So setzt man auf den altbewährten Backlock und einen sehr langen und ergonomisch bestens ausgeformten Griff. Die satinierte Klinge besitzt ein großes Daumenloch für die Einhandbedienung.

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Zu den meisten Messern gibt es im Blog gesonderte und ausführliche Einzelreviews – bei Interesse bitte die Suchfunktion nutzen. Im Regelfall sind auch alle hier genannten Modelle bei uns im Online Shop ab Lager verfügbar.