Outdoormesser: Steckangelmesser bauen Schritt für Schritt Anleitung

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Im heutigen Bericht einige Tipps und Infos zum Thema Bau eines Steckangelmessers. Da ich mittlerweile schon eine stattliche Anzahl an Flachangelklingen mit diversen Griffschalen bestückt habe, ist dieses Mal eine Steckangelklinge an der Reihe. Wie gewohnt werden alle Bilder durch Anklicken vergrößert.

Steckangelmesser haben im direkten Vergleich mit einem Flachangelexemplar bzw. einem sog. Fulltangmesser immer den Nachteil, dass sie konstruktionsbedingt nicht ganz so stark belastbar sind. Batoning und andere brachiale Arbeiten wie Hebeln dürfen mit einem solchen Messer daher nie durchgeführt werden.

Man sollte beim Kauf einer Steckangelklinge zudem darauf achten, dass der Übergang zum Erl nicht abrupt im 90° Winkel erfolgt, sondern leicht gerundet ausgeführt ist. Dieser Übergang ist nämlich die größte Schwachstelle bei dieser Art von Klingen und es droht dort bei zu starker – insbesondere seitlicher Belastung – ein Bruch.

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Der Griff hingegen bietet einen großen Vorteil, denn es steht wesentlich mehr Spielraum bei der Gestaltung zur Verfügung, da man nicht an eine bereits bestehende Form eines Flacherls gebunden ist.

Daneben kann der Griff schichtweise aus versch. Materialien ausgeführt werden, so dass man regelrecht kleine Kunstwerke erschaffen kann. Die einzelnen Griffelemente werden dabei im Grunde und simpel gesagt wie auf einen Schaschlik Spieß aufgeschoben.

Natürlich kann man den Griff auch aus einem langen Gesamtstück herstellen, allerdings ist dies recht schwierig, da man sehr tief mit einem kleinen Langlochbohrer in einem Stück durchbohren, und wie hier bei dieser Klinge, das Loch dann auch noch an den konischen Verlauf des Erls anpassen muss. Bei kürzeren Stücken gestaltet sich vor allem das Durchbohren deutlich einfacher.

Nun aber zur Tat:

Als Griffelemente habe ich Holz (Sheoak) und ein Reststück Juma® Military Woodland gewählt. Das dunkle rotbraun des Holzes harmoniert sehr schön mit dem Waldgrün des Juma®.

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Natürlich kann man auch noch viel mehr und andere Schichten anbringen: z.B. Lederscheiben-, Fiber- oder Metallplättchen und auch Horn.

Die Passung und die Nietscheibe sind in diesem Fall aus Neusilber. Wie man erkennt, muss die Passung im vorderen – später sichtbaren Bereich noch bearbeitet werden. Mit fertig montierter Klinge ist das später kaum noch möglich. Wer nur ein einfaches Arbeitsmesser herstellen möchte, kann sich diese Arbeit natürlich sparen.

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Beim Ablängen des Holzes muss darauf geachtet werden, dass die Abschnitte absolut plan und gleichmäßig sind, so dass keine Spalten nach dem Aufschieben auf den Erl entstehen. Nur so erhält man beim späteren Verkleben eine optimal feste Verbindung und natürlich eine einwandfreie Optik.

Besonders praktisch zum Kontrollieren ist so ein kleiner Winkel:

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Stimmt der Winkel nicht exakt, muss das Teilstück an einem Tellerschleifer nachgearbeitet werden.

Als Erstes schiebt man die Passung auf und fertigt sich das erste Griffelement – bei diesem Messer aus 10mm starkem Juma®.

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Gemessen wird zunächst die Stärke des Erls und die Breite unmittelbar hinter diesem ersten Griffteilstück – hier 3,2mm Erlstärke und 15mm Breite. Dann durchbohrt man das Stück entsprechend zu den Schlitzenden hin mit einem etwas kleineren Bohrer (3mm) und fertigt dann einen Schlitz. Ich habe diesen mit einer Hegner Dekupiersäge ausgenommen.

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Da sich der Erl nach vorn hin verbreitert, muss dieser 15mm Bohrschlitz nun noch konisch etwas vergrößert werden. Das geht sehr gut mit einem Stichsägeblatt – kleinere Stücke werden einfach größer gefeilt.

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In diesem Fall beträgt die Differenz von 15 auf 16mm Erlbreite nur 1mm bzw. 0,5mm nach oben unten. Zu den Seiten hin muss das Loch nur noch minimal um insgesamt 0,2 mm mit einer kleinen Flachfeile vergrößert werden. Zwischendurch testet man immer wieder durch Aufschieben, ob das Loch bereits groß genug ist.

Nachtrag: mittlerweile bohre ich sowohl Einzelteile wie auch ganze Blöcke entsprechend der Erlstärke etwas kleiner vor und nutze zum Ausnehmen der Schlitze kleine Nadelraspeln. Diese ermöglichen aufgrund der geringen Größe eine ganz exakte Anpassung an den Erl. Auch der sehr schmale Bereich hinten kann so ganz präzise ausgeführt werden.

Nachfolgend hierzu ein Schnittbild:

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Man muss insbesondere im vorderen Bereich sehr sorgfältig und präzise vorgehen, denn hier nimmt der Erl die stärkste Belastung z.B. beim Schnitzen auf. Nur so ist später ein ganz sicherer und dauerhafter Halt des verklebten Erls gewährleistet. Hat der Erl zu viel Spiel im Griffschlitz, würde er sich bei kräftigem Gebrauch auf Dauer trotz ausreichender Füllung mit Kleber u. U. lösen und die gesamte Klinge dann wackeln.

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In keinem Fall ist es damit getan ein einziges großes Loch zu bohren und den Erl dann mit satt aufgetragenem Kleber einzukleben. So etwas hält einfach nicht lange….

Mit den übrigen Griffelementen verfährt man nun wie oben beschrieben. Die Schlitze werden zum Ende hin gem. der Verlaufsform des Erls immer kleiner.

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Am Ende steht der Erl noch etwas über. Hier hat man nun die Möglichkeit, diesen zu kürzen und im letzten Griffelement „verschwinden zu lassen“, plan zu schleifen oder leicht überstehend zu vernieten. Letzteres ist m. M. nicht zwingend notwendig, wenn man genau gearbeitet hat. Durch eine Vernietung wird der gesamte Erl am Griffende allerdings noch einmal angezogen bzw. fixiert und gibt der gesamten Einheit noch einmal zusätzlichen Halt.

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Das Vernieten ist kein ganz so einfacher Akt, insbesondere dann nicht, wenn die Klinge komplett durchgehärtet wurde. Dies ist aber bei den meisten Steckerlklingen nicht der Fall. Das Vernieten bietet in jedem Fall aber noch einen Pluspunkt in Sachen Stabilität.

Zunächst werden alle Griffteile nach und nach mit ausreichend Epoxy-Kleber versehen und stramm aufgeschoben. Der Kleber wird dabei auf den Erl auf- und in die Schlitze der Griffstücke eingebracht. Ein kleiner Holzspatel tut hier gute Dienste, um tiefe Löcher in den Griffstücken komplett mit Kleber zu benetzen. Der Kleber darf nicht zu schnell abbinden, da diese Arbeit schon einige Zeit in Anspruch nimmt.

Zuvor wird der Erl natürlich angeschliffen/ aufgeraut und entfettet. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, kann in den Erl noch kleine Widerhaken einfeilen, so dass Kleber und Erl noch bissiger zusammenhalten. Diese Arbeit sollte man sich in jedem Fall machen, wenn man den Griff abschließend nicht vernieten möchte.

Danach werden die Griffscheiben in der oben gezeigten – selbstgebauten Presse gegen die Passung zusammengedrückt. Die Klinge wird natürlich mit etwas Kreppband geschützt, auch wenn es auf dem Bild so nicht gezeigt wird.

Wichtig: die hintere Abrundung samt Endschliff am Griffelement muss an dem letzten Einzelteil vor dem Verkleben vorgenommen werden.

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Austretender Kleber vorn an der Passung muss während des Pressens schnellstmöglich entfernt werden. Am besten mit einem Holzspatel grob abziehen und dann mit Isopropylalkohol reinigen.

Nach ca. 12 Std. Trockenzeit erfolgt dann die Entspannung und die abschließende Vernietung.

Das Vernieten:

Die Klinge wird hierzu in den Schraubstock eingespannt / die Passung bleibt frei und darf nicht auf den Backen des Schraubstocks aufliegen. 2 Hölzer rechts und links verhindern eine Beschädigung der Klinge. Die Niethülse wird exakt so ausgefeilt/ erweitert, dass diese am Ende stramm auf dem Erlende sitzt und auf dem letzten Teilstück aufliegt.

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Das Ende vom Erl wird nun abgesägt und muss etwa 1mm über den Niethülsenschlitz hinausstehen. Bereits beim Absägen spürt man nun spätestens ob der Erl mit durchgehärtet wurde oder nicht.

Durch gezielte und nicht zu feste Schläge mit einem Kugelhammer mittig auf das Erlende, wird dieses nun nach und nach abgerundet/ gewölbt und schiebt sich letztendlich dann über den Schlitz der Nietscheibe. Das kann eine ganze Weile dauern….

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Der Kugelhammer bzw. auch Englischer Schlosserhammer ist hierfür zwingend notwendig. Nur mit einem solchen Hammer lässt sich eine saubere Abrundung erzielen. Alternativ kann man aber auch mit einem Nietkopfmacher arbeiten. Nun ist der Erl am Griffende fest verkeilt/ verankert.

Das Erlende wird nun noch sorgfältig über die Hülse gerundet und poliert, so dass die gesamte Vernietung einen sauberen Abschluss bildet – das Endergebnis:

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Jetzt ist das Messer bereit für die Formgebung des Griffes. Ich nutze hierzu wie gewohnt einen Bandschleifer mit einem schmalen – abwärts laufenden Schleifband. Mit Korn 40 lässt sich sehr gut und relativ schnell Material abtragen und die Grundform erstellen. Man kann natürlich auch mit einer Raspel und später einer Feile und Schleifpapier von Hand arbeiten, wobei hierzu die Klinge dann aber in den Schraubstock eingespannt werden muss. Da eine Raspel doch recht rüde zu Werke geht, muss man aufpassen, dass insbesondere am Griffende nicht zu viel Druck bzw. Kraft in seitliche Richtung ausgeübt wird. Die Klinge könnte sich dann am Erlansatz verbiegen oder gar abbrechen.

Hier  das Ergebnis nach der ersten groben Formgebung mit 40er Korn:

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Bei der Form kann man im Grunde alles wählen: mit oder ohne Fingerschutz, schlicht gerade, bauchig, geschwungen, viel oder wenig Volumen. So wie man es mag. So lässt sich ein Steckangelgriff ganz hervorragend an die eigene Hand anpassen.

Eine vorab angefertigte Schablone ist hier hilfreich und immer bedenken: abgetragenes Material ist weg…. also auch hier zwischendurch einmal grob testen, wie das Messer so grundsätzlich in der Hand liegt.

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Danach ist Handarbeit angesagt – immer wieder wird feiner geschliffen. Ab Korn 400 habe ich dann Danish Oil mit eingearbeitet und dieses bis zur endgültigen Politur mit 12000er Pads so weitergeführt. Nur so erzielt man eine homogene – glänzende Oberfläche beim Holz. Die kleineren Zwischenscheiben und auch die Kante der Neusilberpassung erhalten so ebenfalls einen Hochglanz.

Nun ist das Messer komplett fertig:

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und zum Abschluss noch die Daten:

Gesamtlänge 21,5 cm – Grifflänge 12,2 cm, Klingenlänge 9,3 cm, Schneidlänge 8,8 cm, Gewicht 162 gramm.

Wem der Selbstbau zu aufwändig ist, dem seien an dieser Stelle die hervorragend verarbeiteten Finnenmesser der Fa. AHTI an´s Herz gelegt. Insbesondere dann, wenn man einen kräftigeren Griff mit ordentlich Länge und viel Volumen benötigt. Diese Messer sind  bei uns im Shop erhältlich: PUHALA