Outdoormesser im Test: Review und Vergleich Zero Tolerance ZT 0560 Hinderer und Lionsteel SR-1

Um die Entscheidung beim Kauf zu erleichtern oder auch nicht, zeige ich heute die wesentlichen Merkmale bzw. Unterschiede zwischen den Foldern Zero Tolerance ZT 0560 und Lionsteel SR-1 auf. Auf die Klingenstähle gehe ich nicht weiter ein, da mir vom Lionsteel nur die Alugriffversion mit D2 Klingenstahl zur Verfügung steht.
Es geht also insbesondere um die Verarbeitung, die technischen Merkmale, die Ausstattung und das Handling.

Grundsätzliches:

Die beiden recht großen Frame Lock Folder stehen bei vielen hoch im Kurs und sind grundsätzlich ausgezeichnet verarbeitet.
Das SR-1 von Lionsteel ist auch mit Titangriff und einer Klinge aus Sleipner Stahl erhältlich.
Man findet weder Klingenspiel, noch andere augenscheinliche Unzulänglichkeiten. Während man bei anderen guten Messern schon beim ersten Hinschauen doch schon mal den ein oder anderer „Fertigungspatzer“ erspäht, sucht man sie bei solchen Messern zumeist vergebens.

Trotzdem leider ein erster Negativeindruck beim ZT 0560 – kein Drama aber bei dem Preis nicht sehr schön:
Bei dem hier gezeigten Modell steht die Klinge geschlossen nicht ganz 100%ig mittig im Griff und leider hat das Messer nach einigen Betätigungen dann ein ganz übles Problem…. dazu später mehr.

Zunächst der direkte Vergleich bei der Draufsicht:
Das ZT 0560 hat mit knapp 13 cm Länge gegenüber dem SR-1 mit 11,7 cm einen deutlich längeren Griff.
Insgesamt bringt es das ZT 0560 auf 22,7 und das SR-1 auf 21 cm.

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Die linke Seite geschlossen:

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und die rechte – „Schokoladenseite“:

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und von oben – recht gut zu erkennen: beim Lionsteel liegt die Klinge absolut perfekt mittig – das ZT 0560 links hat eine leichte Abweichung.

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Hier dann der zweite Unterschied:

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Das Lionsteel ist oben geschlossen und der Griffrücken mit 6 Löchern durchbrochen.
Er liegt dadurch am Rücken sehr bequem in der Hand und schneidet nicht ein. Daneben findet man vorn auch nur eine Schraubverbindung für die Achse des Klingenanschlages. Das Handstück vom SR-1 ist also sehr clean.
Der Griff ist als Besonderheit aus einem Stück (hier Alu) gefräst, schwarz beschichtet und besitzt eine Wellenform. Er ist allerdings trotz Strukturierung sehr glatt.
Ein weiterer Nachteil: man kann das Messer schlechter reinigen.

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Das ZT 0560 besitzt 2 Griffhälften, die klassisch miteinander verschraubt sind. Da die Kanten sehr sauber gebrochen sind, schneidet auch hier nichts ein. Durch die offene Bauweise ist die Reinigung wesentlich einfacher. Der Griff bietet durch die filigranere Strukturierung und die raue G10 Schale deutlich mehr Grip als der Griff vom Lionsteel. Die linke Griffschale aus G10 könnte für mein Empfinden allerdings etwas stärker ausfallen.

Öffnen:

Bei beiden Modellen wird die Klinge im Griff durch einen Detent Ball gehalten. Eine kleine Kugel vorn im Frame Lock greift dabei in eine winzige Aussparung in der Klinge und sorgt so für festen Halt.
Grundsätzlich sind beide Exemplare Einhandmesser. Das Lionsteel öffnet nur via Daumenpins. Das Öffnen geht gut von der Hand, der Klingengang ist weich, aber nicht spielerisch leicht. Die Klinge gleitet auf 2 Teflonscheiben und springt nicht gerade wie von allein in Endstellung. Man muss die Klinge am Heber in die Arbeitsposition führen. Dann rastet sie mit einem satten Klack ein. Es besteht allerdings die Möglichkeit, den Klingengang und ggf. ein später auftretendes – horizontales Klingenspiel mit dem beigefügten Schlüssel einzustellen.

Daneben kann man bei den Lionsteel Modellen, die von Böker vertrieben werden, die Daumenpins abschrauben, wenn die Klinge geschlossen ist. Auch hierzu benutzt man den beigefügten Schlüssel und setzt diesen mit den 3 Stiften von oben auf einen Pin. Das Messer wird so zum reinen Zweihandmodell.

Hierzu ein paar Detailfotos:

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Das Zero Tolerance besitzt ebenfalls zwei Daumenstifte, die aber nicht entfernt werden können. Sie dienen neben der Funktion als Klingenheber vor allem als Klingenanschlag am Griff.

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Das Öffnen via Daumenpin gestaltet sich beim ZT 0560 nicht ganz so einfach, da die Klinge sehr stramm im Griff gehalten wird. Wichtig ist hier vor allem, beim Betätigen den Zeige- und Mittelfinger nur locker auf den Frame Lock zu legen.
Andernfalls drückt man den Detent Ball vorn im Frame Lock noch fester in die Klinge, und ein Öffnen via Daumenpin ist dann nahezu unmöglich. Mit ein wenig Übung klappt´s dann aber super….
Der Klingengang selbst ist beim ZT 0560 traumhaft. Das macht sich besonders bei Betätigung des Flippers bemerkbar, den man bei diesem Messer ohnehin vorrangig nutzen wird. Er dient ausgeklappt als mächtiger und solider Handschutz.

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Die Klinge schnellt bereits bei leichter Betätigung im Bruchteil einer Sekunde aus dem Gehäuse, gleitet butterweich auf 2 Kugellagern und arretiert mit einem etwas leiseren Klack als beim Lionsteel präzise in Endstellung.

Beide Messer besitzen die sog. Framelock Verriegelung. Dieser arbeitet grundsätzlich wie ein Linerlock, allerdings übernimmt die Klingensperrung hier kein beweglicher Bügel im Griff diese Arbeit, sondern der Griff selbst ist ausgefräst, steht unter Spannung und schnellt hinter die Klingenwurzel.

So sieht das beim Lionsteel aus – ein eingesetztes Edelstahlstück übernimmt die Verriegelung. Sollte dieses einmal verschlissen sein, kann man es jederzeit austauschen:

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und so beim ZT 0560 – hier greift das Titangriffstück direkt an die Klingenwurzel:

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Nach einiger Zeit und etwa 50 Betätigungen muss ich sagen, dass das Entriegeln beim Lionsteel noch immer sehr einfach und leicht von der Hand geht.

Beim ZT 0560 kratzt der Lock beim Schließen der Klinge an der Klingenwurzel und es ist extrem mühsam geworden die Klinge zu entriegeln.
Ob das bei allen Modellen so ist kann ich natürlich nicht sagen, aber gut ist das nicht. Der Framelock verkantet sich regelrecht an der Klinge und damit ist das leider ein Aus für dieses Messer.

Gegen Überdehnung beim Lösen der Klinge besitzen beide Modelle einen eingebauten Schutz.
Das Lionsteel verfügt aber zusätzlich noch über eine RotoBlock-Sicherung. Leicht im Uhrzeigersinn gedreht, wird die Entriegelung für die Klinge gesperrt.

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Einen umsetzbaren Gürtelclip besitzen beide Messer. Beim Lionsteel ist er am Griffende angeschraubt, wo sich außerdem noch ein Glasbrecher befindet:

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Gelöst wird er ebenfalls mit dem beiliegenden Schlüssel:

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Beim ZT 0560 ist der Clip seitlich angeschraubt:

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Was nun kaufen?
Meine große Hand liebt das ZT 0560. Es liegt besser und satter in der Hand, die Klinge gleitet perfekt auf den Kugellagern und auch sonst finde ich dieses Messer einfach grandios. Leider ist da aber ein arger Mangel den das Lionsteel nicht aufweist und selbst billige LinerLock Messer meist nicht haben.
Die Verarbeitung vom SR-1 ist bei diesen beiden Vergleichsmodellen definitiv besser, ja eigentlich perfekt – auch wenn ich es gern anders gehabt hätte….
Nutzen werde ich aber auch das SR-1 nicht. Der Griff ist mir zu klein und zu glatt.

Also werde ich das ZT 0560 umtauschen und hoffe auf ein perfektes Exemplar…. für etwas kleinere Hände ist das SR-1 von Lionsteel auf jeden Fall eine echte Kaufempfehlung.

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