Outdoormesser im Test: Review Cold Steel­­® Kudu™

 

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Das Kudu™ von Cold Steel® ist ein ganz außergewöhnlicher Folder. Wegen des geringen Kaufpreises von unter 10 Euro und der merkwürdigen Klingenentriegelung war das Klappmesser für mich bislang nicht sonderlich interessant. Aber es gibt ja hin und wieder auch Gutes für wenig Geld. Ob das Billigmesser etwas taugt beantworte ich im heutigen Review und Test.

Cold Steel® lässt das Kudu™ in China fertigen.

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Nachteilig ist das nicht, solange ein Hersteller vernünftige Materialien verwendet und eine ordentliche Qualitätssicherung durchführt. Hierfür ist Cold Steel® eigentlich immer ein Garant.
Das Messer kommt wie gewohnt in der blauen Cold Steel® Pappbox:

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Mit 25,2 cm Gesamtlänge ist das Messer sehr groß und mit nur 74 gramm dennoch ultraleicht. Das liegt vor allem daran, dass es keine Metallplatinen im Griffstück gibt. Optisch kommt das gute Stück etwas billig daher…, aber man bedenke den Preis…. wir haben hier kein Custom Messer vor uns.

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Der strukturierte 14,5 cm lange Griff ist aus Zy-Ex gefertigt – ein sehr widerstandsfähiger und harter Kunststoff. Die Griffhälften lassen sich dementsprechend nicht in Richtung Klinge eindrücken. Er ist absolut formstabil.

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Die Klinge läuft innen nicht direkt auf dem Kunststoff. Zwei Teflon Gleitscheiben sorgen für Distanz zwischen Metall und dem eigentlichem Griff.

Praktisch gelöst und in dem Preissegment nicht unbedingt üblich:
via TX 8 kann man ein evtl. auftretendes – horizontales Klingenspiel beseitigen, indem man die Achsschraube einfach nachzieht.

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Out of the box rastet die Klinge deutlich hörbar und absolut spielfrei ein.
Bei Cold Steel® Foldern gibt es offensichtlich nie ein Klingenspiel, egal wie teuer ein Produkt ist. Das spricht dann schon für wahrlich herausragende Serienqualität.

Auf dem Messerrücken wurde sozusagen eine separate Verriegelungsplattform aus Metall angebracht, die rechts und links vom Griff angenietet ist. Vorne auf dem Griffrücken befinden sich zwei Aussparungen für den Lock.

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Die Entriegelung wird durch Ziehen am Ring vorgenommen. Wie man das praktisch durchführen soll, steht im beigefügten Merkblatt.
Nach dem Öffnen verfügt die Klinge aus Sicherheitsgründen zusätzlich noch über 5 Rasterpositionen bevor sie im Griff verschwindet. Diese Stopper sind sehr grob und sicher, und man muss daher keine Angst haben, dass die Klinge während des Schließens urplötzlich in Richtung Griff zuschnappt. Auch beim Öffnen muss man diese Widerstände überwinden.
Nach einigen Betätigungen waren die Rasterpunkte dann etwas „trocken-kratzig“. Ein Tropfen Victorinox Öl drauf, und schon war es damit wieder vorbei.

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Die 11 cm lange und 2,5mm starke Klinge besitzt eine reine Schneidlänge von 10,4 cm und ist aus rostfreiem 4116 Krupp Stahl gefertigt. Diesen Stahl verwendet Cold Steel® bei allen preiswerten Messern, und er gehört keinesfalls zu den Schlechtesten – ein High End Stahl es natürlich nicht.
Ab Werk war der Anschliff sehr präzise und recht scharf. Dem Messer konnte ich via feinem Schleifstein und Lederabzug dann aber noch zu einer deutlich besseren Schärfe verhelfen.

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Für feinere Arbeiten, auch in der Outdoorküche ist das Kudu® wie gemacht.
Natürlich kann man mit dem Messer auch schnitzen, allerdings füllt der zwar sehr lange aber eben auch sehr schmale Griff die Hand nicht sonderlich gut aus. Gerade kräftiges Schnitzen geht daher nur mühsam von statten.

Abgesehen davon schneidet der Kunststoff an der Unterseite des Griffes (rechts und links vom Klingenschacht) beim kräftigen Arbeiten in die Hand ein.
Die Kanten habe ich daher mit etwas feiner Stahlwolle minimal gebrochen. Schon drückt es nicht mehr.

Logischerweise stört auch der Ring für die Entriegelung beim Handling – egal wie man das Messer greift ist dieser dem Daumen oder Zeigefinger erst einmal im Weg. Man muss ihn also irgendwo „hinlegen“ damit er nicht stört.

Das gelingt dann aber durchaus:
Beim Apfel schälen führt man den Zeigefinger einfach bis kurz vor das zweite Gelenk durch den Ring hindurch.
Beim Schnitzen legt man ihn nach rechts oder links, und platziert den Daumen auf dem Klingenrücken.

Der Ring für die Entriegelung bietet aber auch Positives. Da das Messer sehr leicht ist, kann man es mit einem Lanyard und kleinen Karabiner gut um den Hals tragen, oder man befestigt das Messer einfach offen am Gürtel oder Rucksack.

Fazit:

Das Kudu™ ist kein Sammlertraum. Zu bewerten gilt es vorrangig das Preis-/ Leistungsverhältnis und den Gebrauchswert.
Beides kann sich mehr als sehen lassen.
In der Preisklasse um die 10 Euro gibt es sicher kaum etwas Besseres. Lediglich das Opinel Größe 10 rangiert in diesem Bereich, aber eben in einem völlig anderen Gewand.
Als etwas störend empfinde ich beim Kudu™ lediglich den sehr schlanken Griff. Für ein Messer mit einer doch sehr kräftigen 10 cm Klinge bietet er deutlich zu wenig Volumen in der Hand – gerade bei kräftigen Arbeiten.
Bei Normalgebrauch wird dies allerdings nicht stören, denn die Krupp Stahl Klinge ist recht schneidfreudig und das Griffvolumen dürfte bei den meisten Arbeiten als nachrangig zu betrachten sein.
Unterm Strich ist das Kudu™ für knapp unter 10 Euro ein toller Folder, der sich hinter so manch deutlich teureren Messern nicht verstecken muss.

Das Kudu­™ ist bei uns im shop erhältlich: PUHALA