Outdoormesser im Test: das Condor Rodan und wie man ein ballig geschliffenes Messer schärft

Dieses Mal geht es um den balligen Klingenschliff, und wie man einen solchen nachschärft. Ein Messer ballig schleifen – das ist für viele ein rotes Tuch. Anhand des Condor Rodan zeige ich, dass das Ganze gar nicht so schwierig ist, wie viele zunächst vermuten.

Kommen wir zunächst zum Messer: das Condor Rodan ist ein sehr solides und preiswertes Camp- und Bushcraftmesser. Es wird in El Salvador hergestellt und eignet sich mit der 13,4 cm langen, recht breiten und am Ansatz knapp 5mm starken Klinge aus 1075 Carbonstahl für härtere Einsätze. Wie bei ballig geschliffenen Messern typisch, sind aber auch feinere Arbeiten gut möglich, denn man kann diesem speziellen Anschliff eine enorme Schärfe verleihen.

Nach den Daten zunächst ein paar Eindrücke:

Länge gesamt: 26,7 cm
Grifflänge: 13,3 cm
Klingenstärke: 5 mm ( nach vorn hin kontinuierlich abnehmend bis auf 3 mm kurz vor der Spitze)
Klingenlänge: 13,4 cm
Klingenbreite: 4,2 cm
Schneidlänge: 11,5 cm
Gewicht Messer: 290 gramm
Gewicht Scheide: 86 gramm
Stahl: 1075 Carbonstahl – Härte 57-58 HRC – nicht rostfrei



Das Messer besitzt einen außergewöhnlich starken und recht langen Griff mit ovaler Formgebung. Der Griff selbst besteht aus leicht strukturiertem Hartkunststoff, der Erl geht komplett und mit leicht geringer Breite durch den aufgespritzten Griff – eine sehr solide Konstruktion.
Für große Hände ist das Griffstück ein Traum, und er liegt wirklich super in der Hand. Bei härteren Arbeiten, wie etwa beim Batoning erweist sich der voluminöse Griff ebenfalls als äußerst praktisch und dämmt die Schläge auf den Klingenrücken gut ab.
Das nach unten gezogene Ende des Griffes ermöglicht ein gutes Ziehen des Messers aus der Stecklederscheide. Das Messer sitzt optimal in der Scheide, die ordentlich gearbeitet ist. Bei einem Gesamtpreis von knapp 45 Euro kann die Scheide als gut bezeichnet werden. Ich habe auf jeden Fall schon wesentlich schlechtere Scheiden bei erheblich teureren Messern gesehen.
Das Loch für den Fangriemen sitzt recht weit vorn im Griff – eine große Hand verdeckt das Loch dementsprechend. Der Klingenrücken eignet sich perfekt für einen Feuerstahl. Soweit die ersten Eindrücke: viel Positives für wenig Geld.

In der Praxis erweist sich das Messer dann als guter Kauf: Batoning, Hacken, Auffächern und Schnitzen – das Messer erledigt Alles mit Bravur. Die Schnitthaltigkeit ist gut. Die Klingenbeschichtung nutzt sich beim Batoning allerdings sehr schnell ab. Die Klinge ist nicht rostfrei und muss nach Gebrauch und Reinigung zum Schutz mit etwas Öl benetzt werden, sofern der nächste Einsatz auf sich warten lässt.





Grob und fein – das Condor Rodan kann es. Alles in Allem ein wirklich ordentliches Messer, was natürlich auch mal nachgeschärft werden muss.
Ein kurzes Video zum Messer gibt es hier: Condor Rodan

Nun aber zum eigentlichen Thema, dem balligen Schleifen.

Neben vielen Beilen und Macheten gibt es auch Messer mit balligem bzw. konvexem Schliff. Diese Form ist auf starke Beanspruchung ausgelegt und sorgt bei etwas weicheren Stählen aber auch allgemein für verbesserte Schnitthaltigkeit und eine robuste Klinge. Auch viele namhafte Hersteller wie Bark River statten ihre Outdoormesser mit so einem Schliff aus. Da man den balligen Schliff äußerst scharf ausschleifen kann, gibt es daneben auch Kochmesser, die über eine solche Form verfügen.

Zunächst muss man nach dem Gebrauch festlegen, was die Klinge denn nun benötigt: eine kleine „Generalüberholung“ oder eben nur einen Nachschliff zwecks Erhöhung der Schärfe. Für einen gröberen Nachschliff empfiehlt sich die sogenannte „ Mousepad-Methode“. Auf einer nachgebenden Schaumgummiunterlage wird hier im Regelfall 1000er bis 2000er Schleifpapier aufgebracht und das Messer beidseitig abgezogen, um den Grundschliff wieder herzustellen bzw. ggf. vorhandene kleinere Scharten zu entfernen. Bei starker Abnutzung der Klinge muss mit entsprechend gröberem Schleifpapier begonnen werden. Ganz wichtig beim Schleifvorgang: nur wenig Druck auf die Klinge ausüben.
Das Messer wird über das Schleifpapier bzw. über ein Leder mit aufgetragenem Schleifmittel in einem flachen Winkel von etwa 13 Grad gezogen, und dann beim Schleifvorgang über die Klingenspitze in der Rückwärtsbewegung gedreht. Es empfiehlt sich diesen Vorgang im Stehen auszuführen, da das Messer während des Schleifens des vorderen Klingenbereiches nicht angehoben werden darf. Sofern man beim Schleifen sitzt, neigt man eher dazu das Messer bei der Drehung anzuheben.

Hier die Schritte anhand des Lederabzugs:





Warum eine nachgebende Unterlage? Dieses hängt mit dem Klingenschliff zusammen. Ein balliger Schliff sieht simple und stark übertrieben gesagt wie die Spitze einer Patronenkugel aus. Diese Form gilt es nachzubilden, was von Hand durch eine manuelle Rundung aber nicht möglich ist. Die Klinge kann also nicht auf einem starren Schleifstein geschärft werden. Das Ergebnis wäre nämlich eine rundgeschliffene und letztendlich stumpfe Klinge.
Die minimale Rundung muss also technisch umgesetzt werden, und dieses geht perfekt durch eine leicht nachgebende Unterlage. Das Schleifpapier schmiegt sich beim Ziehen förmlich um das Klingenende und bildet so eine allerfeinste Rundung aus. Schon mit besagtem Schleifpapier verfügt das Messer bereits nach kurzer Zeit wieder über eine Gebrauchsschärfe.

Abschließend bzw. je nach Klingenzustand kommt, wie oben gezeigt, zum Feinabzug ein Leder zum Einsatz. Auf dem Foto zeige ich das Bark River Compound Set. Das Leder wird mit einem speziellen Schleifmittel eingerieben und sorgt so für das Klingenfinish. Der Block kann vor dem Auftrag etwas erwärmt werden, damit sich das Material leichter auf das Leder auftragen lässt und besser einzieht.
Auch hier gilt es zu beachten, die Klinge gleichmäßig und mit ganz wenig Druck über das Leder in gleichbleibendem Winkel gleiten zu lassen. Das schwarze Schärfmittel ist das Grobe und der grüne Block für den Feinstschliff. Der Auftrag erfolgt jeweils auf einer Seite des Leders.

Bereits mit dem schwarzen Material wird eine sehr gute Schärfe erzielt, welche für ein Outdoormesser völlig ausreichend ist und schon für feine Papierschnitte sorgt.

Für meinen Einstieg in das ballige Schleifen habe ich, wie hier gezeigt, zunächst ein nicht so teures Messer genommen. Am Ende war ich erstaunt darüber, wie einfach es doch geht.
Zugegebenermaßen ist das Schleifen etwas aufwändiger und auch etwas schwieriger als z.B. beim Skandi Schliff. Mit ein wenig Übung kann man aber auch als „Schleiflaie“ – so wie ich – ein ballig geschliffenes Messer wieder optimal schärfen und die Auswahl an wirklich guten Messern beim Kauf dadurch erweitern.

Einige Condor Modelle werden dann demnächst bei uns im shop ab Lager verfügbar sein: PUHALA