Outdoormesser: eine Messerscheide aus Leder selber fertigen

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Heute einmal einige Fotos von meinen beiden ersten – selbstgefertigten Lederscheiden. Widererwartend war es gar nicht so schwierig, wobei natürlich das Ein oder Andere noch verbesserungswürdig ist. Modell standen ein Puma IP Venado Stag sowie ein Heiko Häss Vildmark Evo.

Beide Scheiden wurden aus Walkleder hergestellt – die vom Puma IP aus 2 mm und die vom Heiko Häss aus 3,3 mm starkem Material.
Walkleder muss nass geformt werden und behält nach dem trocknen dann dauerhaft die neue Form. Trocken kann man das Leder nicht formen, da es brechen/ bzw. ausbrechen würde.

Dieses spezielle Leder empfiehlt sich insbesondere für reine Stecklederscheiden/ Köcherscheiden, in denen das Messer nicht noch zusätzlich mit einem Riemen gesichert wird. Das Messer sollte möglichst über einen ausgeprägten Guard verfügen, damit es gut und sicher einrasten kann.
Nun aber erst einmal die Bilder der beiden gefalteten Stecklederscheiden mit einseitiger Naht:

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Die Scheide vom Puma IP wurde in natur belassen. Die Scheide vom Vildmark habe ich schwarz gefärbt.

Gut zu erkennen sind die exakten Abformungen/ Anpassungen am Handschutz. Als positive Form dient das jeweilige Messer, welches man beim Abformen in Frischhaltefolie einwickelt. Alle Metallteile schützt man zusätzlich vorab mit einer leichten Ölbenetzung.

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Bei der Scheide für das Puma Messer wurde der Keder unterbrochen und noch eine Schlaufe für einen Feuerstahl eingearbeitet – auch diese wird nass geformt.

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Nach dem Trocknen ist das Leder absolut formstabil und wieder sehr hart – man könnte meinen, eine Kydexscheide vor sich liegen zu haben. Beide Messer rasten mit einem satten Klack ein und sitzen absolut fest und sicher in der Scheide.
In Zeiten, wo beigefügte Messerscheiden leider oftmals nur billige und mangelhafte Zugaben sind, ist es für Messerfreunde durchaus interessant, sich mit der Materie Scheidenbau zu beschäftigen.
Wie schon eingangs erwähnt, ist der Bau einer Messerscheide gar nicht so schwierig wie man zunächst vermutet. Wer ein wenig handwerkliches Geschick mitbringt, wird sich ein durchaus ansprechendes Exemplar fertigen können. Daneben benötigt man nicht allzu viele Werkzeuge. Einige Werkzeuge werden viele ohnehin schon besitzen. Nur eben spezielle Lederwerkzeuge eher nicht. Man sollte unbedingt auf gute Qualität setzen. Nichts ist ärgerlicher, wenn eine an sich gute Arbeit durch schlechtes Werkzeug ruiniert wird.

Einen Nähkloben kann man fertig kaufen, aber man sollte ihn sich lieber selber bauen, weil es einfach billiger ist. Logischerweise benötigt man ihn zum Nähen. Er dient sozusagen als eine Art Schraubstock für das Ledergut, damit beide Hände für das eigentliche Nähen frei sind. Ein Schmuckstück muss er nicht sein, Hauptsache er ist stabil und funktionell….

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Daneben benötigt man:

Einen kräftigen 25 mm Cutter zum Ausschneiden:

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Spezielles Nähgarn und Sattlernadeln – diese sind vorn abgerundet:

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Klassische Lederwerkzeuge meist mit diesem Holzgriff:

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Nahtversenker, zum Markieren der Nahtlöcher ein Prickrad und einen Kantenhobel:

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Zum deutlichen Markieren der Nahtlöcher eine Anreißnadel:

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Einen Kantenpolierer aus Holz oder Kunststoff:

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Für sehr hartes Leder einen 1,2-1,5 mm starken Bohrer zum Vorbohren der Nahtlöcher sowie eine Zange zum Durchziehen der Nadeln.

Lederkleber:

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Klammern zum Fixieren beim Verkleben:

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natürlich Leder…. und je nach Wunsch noch Lederfarbe:

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und zum Auftragen der Farbe gibt es extra kleine Wollpinsel.
Beim Färben sollte man in jedem Fall Einweghandschuhe tragen:

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Natürlich gibt es noch weitaus mehr Werkzeuge, wenn es denn an das spezielle Ausarbeiten geht. Auch ein Modellierwerkzeug leistet immer gute Dienste.

Je nach Scheidentyp benötigt man außerdem noch diverse Beschläge – Buchschrauben sind sehr flexibel einsetzbar und jederzeit wieder lösbar. Man sollte sie stets mit etwas Schraubensicherungslack versehen, damit sie sich nicht lösen können und versehentlich verloren gehen.

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Über den eigentlichen Bau von Lederscheiden lasse ich mich hier nicht weiter aus, denn es gibt im Netz sehr viele gute Infos und vor allem Videos. Als Einstieg kann ich aber auch z.B. das Buch Messerscheiden Band 1 aus dem Messer Magazin Workshop / Wieland Verlag empfehlen.

Ansonsten gilt…. Learning by doing….