Outdoormesser: das Griffmaterial Hirschhorn am Messer

Heute möchte ich ein paar grundlegende Informationen zum Thema Hirschhornmesser geben, denn einige Kunden sind oftmals etwas irritiert, wenn sie ein solches Messer im Versand erwerben und dann in den Händen halten.

Zunächst einmal verbinden heutzutage sicherlich viele mit dem Wort Hirschhorngriff Opa´s altes Taschenmesser. Hirschhorn hat in der Tat einen gewisses rustikales Flair und ist bei jüngeren Menschen weniger begehrt. Trotzdem werden auch heute noch viele Messer mit Hornschalen versehen, da es eben ein lebendiges und kein totes Kunststoffmaterial ist und zudem gewisse Vorzüge mit sich bringt.

Hirschhorn ist wie gewachsenes Holz Natur pur und daher gleicht ein Griff niemals dem anderen. Dieses gilt wie bei Holz aber nicht nur für die Maserung/ Optik, sondern insbesondere auch für die Form und Oberflächenstruktur. Bilder im Netz bzw. online shops sind daher wenig aussagekräftig, denn das Messer, welches man letztendlich erhält, sieht in natura praktisch immer völlig anders aus und ist sozusagen ein Unikat.

Hier ein Beispiel anhand des Otter 05 R HH Schließmessers – beide Messer haben einen ganz unterschiedlichen Griff. Einmal schlank und hinten breit, einmal bauchig. Mein EDC ist das untere, denn ich habe bewusst ein Messer gesucht, welches rechtsseitig eine besonders starke Schale aufweist. Dadurch hat der Griff viel Volumen, und vor allem schmiegt er sich ganz besonders gut in die Innenhand.

Bei einer Holzbeschalung findet man so etwas nicht. Zumeist verlaufen diese Griffe plan oder nur leicht erhaben zum vorderen und ggf. auch hinteren Beschlag und sind dadurch gerade bei Taschenmessern sehr flach gehalten. Holzgriffe unterscheiden sich eigentlich nur in Sachen Maserung und Farbnuancen bzw. Farbintensität. Die Formgebung bei Serienmessern ist immer identisch. Bei Kunststoffgriffen ist jedes Modell völlig gleich – sowohl von der Form wie auch von der Farbgebung.
Daneben ist die Oberfläche bei einer Hirschhornbeschalung im Regelfall recht grob strukturiert.

Hier mal eine Makroaufnahme:

Bedingt dadurch hat das Messer mehr Grip als z.B. ein glatter Holzgriff. Gut durchdachte und praxisorientierte Kunststoffgriffe bieten aber ebenfalls in Sachen Handling durchaus Positives.
Bei Hirschhorngriffen muss man darauf achten, dass die eingelassenen Nieten sauber gerundet sind und nicht scharfkantig hervorstehen.

Wie auch immer hat Hirschhorn seinen ganz eigenen Charme. Das Material fasst sich immer angenehm an, egal ob es warm oder kalt draußen ist. Im Gegensatz zu Holz ist Horn auch nicht anfällig gegenüber Nässe.
Daneben hat man die Möglichkeit, ein ganz persönliches Einzelstück zu ergattern, welches besonders gut in die eigene Hand passt. Hierzu ist es dann aber erforderlich, dass man gerade ein Hirschhornmesser vor dem Kauf in die Hand nimmt und mehrere Modelle eines Typs ausprobiert.

Ein Klassiker und ein High Tech Folder im direkten Vergleich:

Die beiden Messer sind vom Konzept her natürlich nicht vergleichbar, dennoch sind und bleiben beide Modelle Klappmesser. Das Zero Tolerance 0560 ist nicht unbedingt als rein taktisches Messer zu sehen. Für viele Outdooraufgaben ist es bestens gerüstet und bietet eine herausragende Qualität. Einen Apfel schält man aber mit dem klassischen Otter Modell dann doch besser. Wie so oft also alles eine Frage der Verwendung, des Geschmacks und vor allem auch des Geldbeutels….

Abschließend sei noch genannt, dass die guten alten Taschenmesser auch heute noch genau so funktionell und praktisch sind wie früher. Viele Neuzeitfolder sehen toll und aufregend aus und bieten zum Teil erlesenste Technik – in der Praxis und im Alltag erweisen sich zahlreiche Modelltypen aber für einen Normalnutzer oft als Fehlkauf. Daneben verfügen arretierbare Modelle bekannter weise sehr oft über eine Einhandklingenbedienung, so dass sie grundsätzlich nicht geführt werden dürfen.