Outdoormesser: Condor Woodlaw Semi Custom

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Das Condor Woodlaw ist ein etwas kleineres Bushcraftmesser, aber dennoch groß genug, um auch einer kräftigen Hand noch ausreichend Platz zu bieten. Das vielseitig nutzbare Outdoormesser kann man als Komplettmodell erwerben, oder so wie heute gezeigt als einzelne Fertigklinge, um diese selber mit einem Messergriff versehen zu können. Letzteres zeige ich heute.

Die schlichte Klingenform vom Condor Woodlaw ohne Handschutz ermöglicht es insbesondere einem Einsteiger relativ einfach einen Griff selber anzubringen und vor allem leicht anzupassen, da keine engen Bögen vorhanden sind, die man aufwändig und schwierig verschleifen muss.

Für Interessierte habe ich dieses Mal nahezu jeden Arbeitsschritt genau dokumentiert. Ein Klick auf das Bild vergrößert wie gehabt….

Das Ausgangsmaterial:

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Die bereits vorgebohrte und fertig geschliffene Scandi-Klinge, ein Paar Acrylplatten für die Griffschalen und eine 5 mm Edelstahlrundstange für die Stifte. Die Materialkosten hierfür betragen etwa 40 Euro. Daneben sollte man über einen kleinen abwärts laufenden Bandschleifer mit freilaufendem Band und einen kleinen Tellerschleifer verfügen. Ich nutze hier den Scheppach BD 7500. Das ist sicher keine Profimaschine, aber die Ergebnisse sind trotzdem sehr gut, und die Maschine bietet für ca. 80 Euro ein hervorragendes Preis-/ Leistungsverhältnis.

Zunächst fertigt man sich 3 Stifte für die Griffschalen. Materialstärke von Schalen inkl. Klinge plus etwas Zugabe ergeben hier 25 mm Länge pro Stift. Zu lang sollten die Stifte in jedem Fall nicht herausstehen, da sie am Ende mit den Schalen bündig geschliffen werden müssen. Am besten längt man die Stifte mit einer feinen Eisensäge ab, und entfernt dann den Grat, damit man sie später leichter einschieben kann.

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Zum Schutz der Klinge und auch der Finger vor dem scharfen Anschliff wird die Klinge mit Kreppband umwickelt – hier unbedingt gutes Markenband verwenden, sonst geht später der große Ärger los, da Billigkrepp teilweise penetrant klebt und nur unter großem Aufwand wieder entfernt werden kann.

Danach wird das erste Loch gebohrt – die bereits vorhandenen Löcher im Erl dienen als Schablone. Zu allen Seiten hin gibt man den Griffschalen natürlich Überstand – auch vorn zur Klinge hin. Oben nur ganz wenig, dann muss man hier nicht zusätzlich noch aussägen.

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Nachdem das erste Loch gebohrt wurde, setzt man einen Stift ein. So ist garantiert, dass man das nächste Loch in absolut korrektem Abstand zu dem Ersten setzt – dann wird der 2. Stift eingeschoben und das 3. Bohrloch gesetzt. Ebenso verfährt man mit der zweiten Griffschalenhälfte.

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Das Ergebnis sind exakt platzierte Stifte, die beidseitig absolut deckungsgleich mit den Löchern des Erls sind. Die Stifte lassen sich stramm aber ohne Blockierung einschieben. Eine weitere Grundvoraussetzung hierfür ist natürlich ein präziser Bohrer samt Ständerbohrmaschine. Einen Billigbohrer aus der Baumarktwühlecke sollte man hierzu nicht verwenden, denn schon die kleinste Ungenauigkeit führt zu optischen Mängeln und Passungenauigkeiten.

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Danach zeichnet man sich die groben Umrisse des Erls auf den Schalen an und sägt die Griffschalen mit minimalem Überstand aus. Von Hand ist das etwas mühsam, mit einer elektrischen Dekupiersäge natürlich wesentlich einfacher. Eine Stichsäge mit Hubzahlregulierung tut es bei diesem einfachen Schnitt aber auch.

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Als Nächstes wird die „Frontpartie“ bzw. Stirnseite der Schalen gemeinsam leicht an einem Tellerschleifer gerundet, danach von Hand geschliffen und komplett fertig poliert. Dieser Bereich muss vorab fertiggestellt werden, da man nach dem Verkleben hier nicht mehr schleifen kann, ohne die Klinge zu beschädigen.

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Hierzu spannt man beide Schalen gemeinsam ohne Klinge in den Schraubstock ein – den mittleren Stift entfernt man hierzu. Die lose eingesetzten Stifte vorn und der hinten verbleiben in den Griffschalen, damit diese während des Schleifens und Polierens fixiert sind und sich nicht verschieben können.

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Geschliffen wird nass bis auf 1200 und poliert bis auf 12.000 – ich verwende zum Polieren Micro Mesh Pads. Gerade bei Acryl sollte man sich die Arbeit machen, denn das Ergebnis ist traumhaft und gibt dem Material ein optimales Finish. Sofern man Griffschalen aus Holz anbringt entfällt diese aufwändige Prozedur natürlich weitestgehend.

Dann können die Griffschalen mit 2 Komponenten-Epoxidkleber verklebt und endgültig verstiftet werden. Der Erl, die Schalen und auch die Stifte werden vorab mit Schleifpapier leicht angeraut.

Nach dem Verkleben werden die Schalen mit Zwingen fixiert – der Druck sollte hierbei nicht zu stark sein. Anschließend entfernt man das Kreppband an der Klinge, beseitigt den überschüssigen Kleber der nach vorn ausgetreten ist bzw. reinigt die gesamte Klinge mit Isopropylalkohol. Wichtig ist es, das Kreppband zu entfernen, da man sonst Kleberreste beim Reinigen unter das Band schiebt. Diese würden dort aushärten und unschöne Flecken/ Streifen hinterlassen.

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Nun muss man den Kleber mind. 24 Stunden aushärten lassen, bevor es an das Verschleifen und Konturieren der Griffschalen geht.

Zum Verschleifen und für die Griffformgebung kommt wieder der kleine Band-/ Tellerschleifer zum Einsatz. Theoretisch kann dies auch von Hand erfolgen, was allerdings viel zu mühsam wäre. Insbesondere im Bereich der Stifte ist die seitliche Konturierung von Hand zu aufwändig und schwierig. Nun wird wieder Kreppband zum Schutz angebracht.

Zunächst werden die Stifte am Tellerschleifer mit 80er Korn bündig geschliffen, damit die Schalen plan aufliegen. Dieses muss man in mehreren Schritten durchführen, da die Stifte sehr schnell extrem heiß werden. Acryl ist zwar recht hitzebeständig, aber sicher ist sicher. Im Übrigen würde eine zu große Hitze über die Stifte auch an den Erl weitergeleitet, was ebenfalls nicht wünschenswert ist.

Danach verschleift man den Erl an den Außenkanten mit dem Griff ebenfalls am Tellerschleifer. Bei Messern mit geschwungenem Erl und Bögen für Handschutz etc. müsste man auf den Bandschleifer zurückgreifen.

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Wie schon eingangs erwähnt, ist dies bei diesem Messer recht einfach, da der Griff eine gerade Form hat und nur das Ende gerundet werden muss. Dies kann man ebenfalls am Tellerschleifer erledigen.

Zum Konturieren benötigt man dann auf jeden Fall den Bandschleifer mit Schleifbändern von 80-240er Korn. Den Griff kann man aber auch in voller Stärke belassen und lediglich die Kanten abrunden. Ein richtig formschöner Griff ist das dann natürlich nicht.

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Nach der Formgebung wird der gesamte Griff schrittweise mit Schleifpapier und flüssigem Compound von Hand feingeschliffen und danach poliert.

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Holzschalen sind wie bereits genannt natürlich wesentlich schneller und einfacher zu bearbeiten – hier einmal im Vergleich eine solche Variante mit Griffschalen aus Eichenholz und schwarzen Linern aus Vulcanfiber. Der feingeschliffene Griff wurde hier abschließend mit Danish Oil behandelt und ist dezenter ausgeführt als bei dem jetzigen Modell mit Acrylschalen.

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Das Material Acryl muss in sehr geringen Kornabstufungen geschliffen und poliert werden, da sonst u.U. feinste – noch tiefliegende Kratzer vom vorherigen Korn im Material zurückbleiben.

Hier der Status Quo nach dem 320er Schliff…. feine Schleifspuren sind noch zu erkennen. Diese sind allerdings gleichmäßig, so dass man sie mit dem nächsten Schleifvorgang und etwas feinerem Korn entfernen wird.

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Zum Schluss dann das Endergebnis mit der 12.000er Hochglanzpolitur Micro Mesh.

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Gut zu erkennen ist, wie man durch Einsatz bestimmter Griffmaterialien einem Messer ein völlig anderes Gesicht geben kann. Daneben steigt die optische Wertigkeit durch den Einsatz bestimmter Materialien enorm. Vom rustikalen Arbeitsmesser bis hin zum edlen Vitrinen Modell lässt sich so eigentlich alles realisieren.

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Bei meinen Griffen achte ich darauf, dass sie immer satt in der Hand liegen, damit man das Messer fest umgreifen kann. Nichts ist störender als ein zu kleiner Griff, bei dem die Finger nicht ausreichend Platz finden. Lieber etwas zu viel Volumen als zu wenig. Zu klotzig darf der Griff natürlich nicht ausfallen. Letztendlich muss er auch optisch zu der Messerlänge und der Klingenstärke passen.

Daneben wird alles geschmeidig gerundet, damit bei der Arbeit nichts in die Hand drückt.

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Fertig ist ein Semi Custom mit passender Custom Köcherscheide aus Leder – gefärbt in Saddle Tan.

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Einzelne Klingen von Condor sind bei uns im Shop erhältlich: PUHALA 

Fragen beantworte ich gerne – die Kontaktdaten sind im Impressum zu finden.