Köcherscheide für ein Steckangelmesser im nordischen Stil selber bauen / allgemeine Infos zu Lederscheiden

SONY DSC

Als Ergänzung zu dem in den beiden letzten Blog Berichten vorgestellten Thema Steckangelmesser selber bauen samt Schritt für Schritt Anleitung, heute noch eine zum Messer passend handgefertigte Köcherscheide aus Leder.

Wer sich ein Outdoormesser selber gefertigt hat, der steht natürlich unweigerlich vor der Aufgabe, sich noch ein passendes Transportbehältnis – sprich Lederscheide herstellen zu müssen oder eben anfertigen zu lassen.

Der Lederscheidenbau ist wie der Messerbau eine „eigene Welt“. Nicht jedem guten Messer liegt demzufolge auch eine gute Scheide bei. So habe ich sogar schon Custom Messer gesehen, die an sich sehr gut waren, aber nur mit doch recht simpel hergestellten Lederscheiden ausgestattet wurden.

Dieses ist sicher nicht unüblich, denn schließlich verschlingt der Bau einer wirklich guten Lederscheide oftmals genau so viel Zeit wie die Fertigung des Messers selbst. Daneben bedarf es auch in diesem Bereich viel Erfahrung und Fachkenntnis. Da der Gesamtpreis am Ende natürlich noch erträglich sein muss, wird vor allem bei Serienmessern an der Scheide gespart.

Nun zu meiner selbst gefertigten Scheide – sicher kein „Kunstwerk“, aber ordentlich verarbeitet, solide, praxistauglich und vor allem das Wichtigste: sicher!

SONY DSC

Zunächst einmal wurde das Leder nach dem Zuschnitt nass an den Griff angepasst. Dadurch ist es möglich, beidseitig eine Stoßkante für die Passung auszuarbeiten.

SONY DSC

Das Messer kann jetzt nur noch bis zu diesem Anschlag eingeführt werden, und die Gefahr, dass die Klinge die Scheide nach unten hin durchsticht ist gebannt. Daneben sitzt das Messer fest aber nicht zu fest, tief genug und sicher in der Scheide.

Durch die Verwendung von geeignetem Leder dehnt sich dieses nach dem Trocknen kaum noch, so dass ein dauerhaft guter und strammer Sitz des Messers gewährleistet ist.

SONY DSC

Diese Punkte werden bei vielen – einfachen Scheiden in Schnellbauweise meist komplett vernachlässigt. Das Leder ist oft zu weich und dehnt sich dann immer weiter auf. Schon nach kurzer Nutzungszeit sind solche Scheiden völlig ausgeleiert, und das Messer findet keinen Halt mehr. Daneben besteht die Gefahr des Durchstechens nach unten, sofern der Messergriff in diese Richtung eben keinen Anschlag in der Scheide findet.

Auch ein seitliches Durchstechen des Klingenschachtes ist natürlich möglich, wenn das Leder zu weich ist, und sich die Scheide z.B. beim Hinknien zur Seite biegt, und man das Messer dann einstecken möchte.

Die Naht an meiner Scheide aus stabilem Synthetik-Flachgarn ist zweireihig ausgeführt.

SONY DSC

Das wirkt optisch interessant und macht die Scheide bei kleineren Messern etwas kompakter. Daneben bietet der breitere Keder zusätzliche Gesamtstabilität und Sicherheit. Nach dem Trocknen ist das Leder nun fast so hart und formstabil wie eine Kydexscheide.

Das Einfärben – hier in Saddle Tan – wird übrigens nach dem Trocknen der Nassanpassung und vor dem Verkleben/ Vernähen vorgenommen. Nur so lässt sich die Scheide auch innen komplett farblich behandeln.

Die Nähte sind selbstverständlich versenkt, um ein Durchscheuern zu vermeiden.

SONY DSC

Wenn man sorgfältig arbeitet, ist auch eine Hand Naht elegant und bietet ein sauberes Bild. Ein gleichmäßiger Abstand der Lochreihen und zur Außenkante ist der Optik wegen natürlich obligatorisch. Hier muss beim Vorbohren bzw. Vorstechen sehr genau gearbeitet werden.

Kleine Ungenauigkeiten sind natürlich kein Drama, denn Handarbeit ist und bleibt eben Handarbeit. Wie schon beim Custom Messerbau ist ein funktionelles und natürlich hochwertiges Produkt nicht aber absoluter Perfektionismus das Ziel.

Bei einfachen Scheiden – zumeist von Serienmessern – findet man oft schlechtes Garn das schnell ausfasert. Sind solche Nähte dann zudem nicht versenkt, droht im schlimmsten Fall der Verlust des ganzen Messers samt Scheide, wenn sich z.B. eine solche Naht an der Gürtelschlaufe auflöst.

Hier einmal eine solche „Billigscheide“ mit den erwähnten Unzulänglichkeiten:

SONY DSC

Viel zu weiches Leder – die Scheide lässt sich in alle Richtungen spielend leicht verbiegen und verdrehen. Eine sehr gefährliche Scheide, die ein hohes Verletzungsrisiko in sich birgt.

SONY DSC

Die Maschinennaht ohne Versenkung ist teilweise auch noch extrem unsauber ausgeführt.

SONY DSC

Das Garn fasert bereits jetzt schon aus, obwohl die Scheide überhaupt noch nicht benutzt wurde.

SONY DSC

Letztendlich bleibt auch bei Serienmessern oftmals nur der Weg zu einer Custom Lederscheide. Natürlich bedarf es auch hier einiger Übung und entsprechend gutem Werkzeug, um sich ein vernünftiges Exemplar herstellen zu können. Für ein einzelnes Messer ist die Anschaffung zugegebenermaßen eher nicht lohnenswert.

Wer daneben sehr hohe Ansprüche an eine Scheide stellt und ganz spezielle – individuelle Wünsche hat, sollte sich an einen Fachmann wie Siegfried Raschke wenden. In seinem Blog sind viele seiner außergewöhnlichen und hochwertigen Arbeiten zu sehen: Messerscheiden aus Leder