Griff aus Leder – Puukko und Kugelschreiber handgefertigt / Leder drechseln

Nachdem ich bereits einige Puukko mit einem Lederscheibengriff versehen habe, stand nun die Fertigung eines Kugelschreibers mit einem Gehäuse aus selbigem Material auf dem Programm.

Die Herstellung eines Messergriffes aus Lederscheiben ist recht zeitaufwändig und auch das Finish nicht ganz so einfach aber im Grunde schnell erklärt:

einzelne Lederscheiben werden passend ausgenommen und nacheinander auf dem Steckerl miteinander verklebt. Die gesamte Einheit wird dann in einer Messerpresse verdichtet, so dass abschließend ein fester und stabiler Rohgriff entsteht. Dieser wird zunächst am Bandschleifer und später immer feiner von Hand in die entsprechende bzw. gewünschte und bei einem Puukko zumeist ovale Endform gebracht.

Zu dem Thema Puukko Bau finden sich hier im Blog viele weitere Informationen und Anregungen. Daneben bieten wir auch Custom Puukko Modelle sowie handgefertigte Schreibgeräte bei uns im Online Shop an: PUHALA

Nun aber zum Kugelschreiber….

Bei einem Schreibgerät lässt sich die oben genannte Art der Fertigung schlecht anwenden, so dass ich zunächst einen separaten Block aus verklebten Lederscheiben hergestellt habe. Da bei einem Stift das Gehäusematerial zumeist sehr dünn ausfällt, habe ich das härteste Leder genutzt, das man erhalten kann: Spießleder.

Benetzt habe ich die zuvor leicht angerauten Scheiben mit langsam aushärtendem 2K Kleber. Schnellfest sollte man nicht nutzen, da das Verkleben der einzelnen Scheiben einige Zeit in Anspruch nimmt.

Nach einer Presszeit von 24 Std. ist der Kleber ausgehärtet, und der feste Block kann nun weiterverarbeitet werden. Die oben gezeigte kleine Presse leistet immer wieder gute Dienste. Auch beim Herstellen von kleineren Einzelkomponenten im Messerbau ist sie hilfreich.

Oben auf liegt die passende Messinghülse, die als Träger für das Gehäusematerial dient. Daneben werden später die restlichen Bauteile bzw. die Kugelschreibermechanik in diese Hülse eingepresst.

Nun wird der Kantel an der Bandsäge in zwei gleich große – quadratische Stücke aufgeteilt. Nur einer wird für den künftigen Kugelschreiber benötigt. Die nachstehend gezeigten Exemplare haben nun ein Maß von 1,8 x 1,8 cm. Dieses Maß sollte Minimum sein. Etwas mehr kann durchaus nicht schaden, da das Bohrloch in diesem Fall mit 9,4 mm recht groß ausfallen wird.

 

Gebohrt habe ich horizontal auf der Drechselbank mit einem frischen Bohrer, wenig Vorschub und geringer Geschwindigkeit. Der Bohrer muss sehr scharf sein. Also am besten ein ganz neues Exemplar nutzen. Er muss unbedingt langsam schneiden – andernfalls verbrennt das Leder oder der Bohrer verklemmt sich.

Die Lederspäne werden durch häufiges Ein- und Ausfahren des Bohrers abtransportiert.

Nun werden die Hülsen mit 2K Kleber Schnellfest eingesetzt. Wie immer ist darauf zu achten, dass kein Kleber in die Hülse gelangt.

Als Nächstes werden die Kantel am Tellerschleifer mit den Hülsenenden plan geschliffen. Auch hier sollte man eine ganz frische Schleifscheibe aufziehen und mit wenig Andruck arbeiten, insbesondere dann, wenn der Tellerschleifer nicht regelbar ist und nur eine hohe Drehzahl fährt.

Beim Schleifen die Absaugung und die Atemschutzmaske nicht vergessen. Leder erzeugt sehr viel Feinstaub.

Insgesamt sind die Kantel inkl. der eingesetzten Messinghülsen nun äußerst stabil, und es kann gedrechselt werden.

Kann mal Leder drechseln? Ja, man kann es…. andernfalls bliebe auch nur die Möglichkeit, das Gehäuse passend an der Drechselbank in Form zu schleifen. Mit Drechseln hätte das natürlich nichts mehr zu tun.

Also auf das Mandrel samt passenden Distanzbuchsen aufgespannt und los geht´s….

Mit einer wirklich ultrascharf ausgeschliffenen 19 mm Schruppröhre und mit hoher Umdrehungszahl habe ich den Kantel zunächst wie gehabt in eine noch übergroße runde Form gebracht. Es gilt bei Leder allerdings zu beachten, dass man das Material nicht wie bei Holz via grobem Schruppen schnell abträgt, sondern die Röhre gefühlvoll mit entsprechend angestelltem Winkel schneiden lässt und nur ganz dünne Schichten nach und nach entfernt. Auch später, wenn der Kantel bereits gerundet ist.

Gearbeitet wird immer von den Kanten nach innen, damit das Leder an den beiden Enden beim „Ausfahren“ des Eisens nicht ausfasert.

Auf dem Bild erkennt man sehr gut, dass auch das Leder wie beim Holz drechseln feine und lange Spanlocken bildet – vorausgesetzt, dass das Eisen wirklich scharf ist. Nur so erzeugt man am Objekt – egal ob Holz oder was auch immer – allein durch das Drechseln bereits eine sehr glatte, feine und homogene Oberfläche.

Viele Drechsler nutzen für einen bestmöglichen Feinschnitt den Meißel. Das ist sicherlich eine der besten Lösungen. Ich aber benutze mittlerweile lieber eine gemäßigte Schruppröhre, denn sie bietet durch ein relativ hohes Gewicht viel Masse und lässt sich dadurch sehr gefühlvoll einsetzen.

Zwischendurch habe ich die Röhre 4 x auf dem Leder meiner Tormek Schleifmaschine abgezogen, um dauerhaft mit einer wirklich extremen Schärfe arbeiten zu können.

Nachdem die Form fertiggestellt ist ( hier minimal gewölbt) wird geschliffen und poliert.

Begonnen habe ich mit 400er Korn und beendet mit 12000. Zwischendurch wird die Maschine immer wieder angehalten und von Hand mit dem jeweiligen Korn kreisend geschliffen und poliert. Dadurch werden aufgestellte Fasern entfernt und man erhält am Ende eine wirklich spiegelglatte Oberfläche in beide Richtungen. Das Ganze wird zum Ende hin durch das Auftragen von Lederwachs unterstützt.

Nun noch die Bauteile einpressen, und am Ende ist ein exklusives Schreibgerät mit einem edlen Gehäuse entstanden, dessen Herstellung deutlich aufwändiger war, als „nur“ einen Holzkantel abzudrehen.