Eine Kydex® Scheide selber herstellen

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Eine Scheide aus Kydex® selber zu bauen ist deutlich schneller und auch etwas einfacher zu bewerkstelligen, als eine hochwertige Lederscheide zu fertigen. Man benötigt allerdings auch hier so Einiges an Werkzeugen und passendem Zubehör, möchte man denn ganz am Ende ein wirklich gutes Ergebnis in den Händen halten. Daneben heißt es auch hier: sorgfältig und sauber arbeiten. „Husch – Husch“ hat nämlich noch nie geklappt….

Allgemein:

Kydex® eignet sich natürlich nicht für alle Messer als Scheidenmaterial. Bei einigen Messertypen – wie etwa einem Puukko mit Maserbirkegriff oder anderen Klassikern wie einem Hirschhorn-Bowie – verbietet sich Kydex® schon rein optisch von selbst. Das Material passt eher zu taktischen bzw. modernen Messern, aber auch zu einem Bushcrafter, sofern dieser über einen Handschutz oder eine ausgeprägte Griffkonturierung verfügt und dadurch einen Rasterpunkt bietet. Dennoch können auch Messer ohne Handschutz mit ebener Grifffläche mit einer Kydex® Scheide versehen werden. Dazu muss man dann allerdings eine Möglichkeit schaffen, dass auch so ein Messer einrasten kann. Das funktioniert z. B., indem man eine Bohrsenkung im vorderen Bereich des Griffelementes für einen Bow Drill fertigt. Sozusagen leicht „Taktische Puukkos“ wo die Optik dann passt und auch andere Messer ohne Handschutz bzw. einer verwendbaren Griffkontur- z.B. das Condor Woodlaw – können also auf diese Weise und durchaus mit einer Kydex® Scheide ausgestattet werden.

Vorteile:

  • Bei präziser Fertigung sitzt eine Kydex® Scheide extrem passgenau um das Messer und das dauerhaft ohne auszuleiern.
  • Das Messer sitzt sehr sicher und fest in der Scheide und kann dennoch schnell und einfach gezogen werden.
  • Durch die Nietösen stehen in Verbindung mit Schrauben zahlreiche Befestigungs- und Tragemöglichkeiten zur Verfügung: z. B. mit einem Tek-Lok variabel vertikal, horizontal oder kopfüber bzw. „normal“  mit einer angefertigten Gürtelhalterung aus Kydex®, Nylon oder Leder.
  • Die Ösen bieten zusätzliche Befestigungspunkte für eine Feuerstahlhalterung oder eine Vortasche.
  • Kydex® ist wasserfest.
  • Das Material ist sehr leicht und extrem robust.

Nachteile:

  • Im Vergleich zu Leder ein eher tristes Material
  • Verunreinigungen im Klingenschacht führen schnell zu einer Verkratzung der Klinge.
  • Insbesondere weichere Griffmaterialien zeigen schnell „Ziehspuren“.

Nun erst einmal einige Bilder von einer selbst gefertigten Kydex® Scheide samt Kydex® Gürtelhalterung für ein leicht taktisch „angehauchtes“ Puukko mit Acrylgriff. Form und Farbe des Griffes harmonieren durchaus mit dem Kydex®, obgleich ein Puukko wie schon oben erwähnt grundsätzlich sicher nicht die erste Wahl für eine solche Scheide ist.

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Das Einrasten übernimmt wie oben bereits genannt eine Senkung im Griff für einen Bowdrill.

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Nun einige Infos zum Bau an sich:

Was benötigt man?

Zunächst einmal sollte man sich einen hochwertigen Abformschaum für den Pressvorgang besorgen. Natürlich tun es auch 2 zugeschnittene Stücke einer billigen Isoliermatte, allerdings ist das Abformungsergebnis bei Verwendung solcher nicht so präzise und fein wie bei einem speziellen Kydex® – Formschaum. Daneben lässt sich spezieller Pressschaum deutlich öfter verwenden.

Der Bau einer aufwändigen Presse ist nicht notwendig. 2 Platten Formschaum und in etwa gleich große Andruckbretter reichen aus. Man benötigt zum Pressen dann noch 4 gute und kräftige Zwingen. Am besten eignen sich Schnellspannzwingen, denn man muss das optimal erhitzte Kydex® zügig pressen, damit es sich in seiner noch weichen Konsistenz gut an die Konturierung des Messers samt Klinge anlegt.

Zum Pressen nutze ich die nachfolgend gezeigten Schnellspannzwingen der Fa. Wolfcraft und unterseits einen Schraubstock:

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Die Zwingen greifen mit 10 cm recht tief und lassen sich so dicht und lang genug am Griff bzw. der Klinge platzieren.

Kydex® muss zum Formen erhitzt werden. Das kann man ziemlich unkontrolliert mit einem großen Heißluftfön erledigen, oder viel einfacher und gleichmäßiger in einem Minibackofen. Dieser hier hat einen Rauminhalt von 28 Liter und kostete bei einem Discounter 39 Euro:

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Bevor man das Kydex® erhitzt, wird die Klinge des Messers sauber mit einer Lage gutem Malerkrepp in Längsrichtung abgeklebt. Sowohl am Klingenrücken, wie auch am Anschliff wird das Kreppband  zusammengedrückt und exakt mit etwas Überstand mit einer scharfen Schere abgeschnitten. Dadurch schützt man die Klinge während der Arbeiten. Zudem sitzt die Klinge später nicht zu stramm in der Scheide, so dass sie beim Einschieben und Ziehen nicht unmittelbar am Kydex® reibt, man keine Schärfe verliert und die Klinge am Ende ganz sauber und ohne zu klappern im Klingenschacht sitzt. Unbedingt hochwertiges Kreppband verwenden, damit sich dieses nach dem Abformen und trotz Erhitzung wieder leicht und rückstandslos entfernen lässt.

Man kann bereits während der Pressung ein kleines Stück Rundmaterial mit einlegen und so einen durchgehenden – etwas größeren Ablauf schaffen. Das erleichtert zudem ein späteres Reinigen der Scheide im Innenbereich. Das habe ich in diesem Fall auch so gemacht.

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An der fertigen Scheide sieht es dann am Ende so aus:

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Die Kydex® Platten sollte man immer etwas großzügiger zurechtschneiden, da sie beim Erhitzen leicht schrumpfen. Einfach dezent mit einem Cutter in der Innenseite 3-4 anschneiden (nicht durchschneiden) und dann brechen. Die glatten Seiten vom Kydex zeigen immer nach innen – also Richtung Messer.

Bei etwa 130 Grad erhitze ich 2 mm starke Platten im vorgeheizten Ofen ca. 8 min. lang. Die Konsistenz von Kydex® sollte zum Abformen der von Sandwichkäse entsprechen – also leicht „labberig“ aber nicht zu weich sein. Dünnere Platten benötigen entsprechend etwas weniger Zeit. 2 mm Stärke halte ich grundsätzlich für eine gute Wahl bei einem mittelgroßen Messer. Dünneres Material lässt sich zwar noch etwas detaillierter und feiner anformen, bietet aber weniger Stabilität und Druck auf den Rasterpunkt.

Den Ofen stelle ich immer nach draußen, da Kydex® ausdünstet und sicher nicht gerade gesundheitsförderlich ist. Den normalen Küchenbackofen daheim sollte man also zum Erhitzen keinesfalls benutzen.

Nach dem Erhitzen wird die erste Kydex® Platte auf den Formschaum gelegt – darauf kommt das Messer, dann wird die zweite Kydex® Platte und darüber die andere Formschaumplatte aufgesetzt, von oben angedrückt und leicht mit Handdruck fixiert. Da das erhitzte Material offen liegend recht schnell abkühlt und erstarrt, sollte man hier schnell vorgehen.

Danach wird zügig die erste Zwinge dicht neben dem Griff platziert und leicht angezogen, die zweite ebenso. Dann wird die gesamte Einheit am Ende der Presse in den Schraubstock eingespannt. Nun folgen noch Zwinge 3 und 4 unterhalb der ersten beiden Zwingen seitlich zur Abformung der Klinge. Danach werden alle Zwingen noch stark nachgezogen. Ebenso die Schraubstockspannung.

Selbstverständlich kann man auch nur eine und entsprechend größere Kydex® Platte verwenden, diese dann umlegen und eine Köcherscheide fertigen. Solche Scheiden sind dann automatisch schmaler, bieten aber am Ende nur eine Ösenreihe mit entsprechend weniger Befestigungspunkten.

Nach ca. 20 min. ist das Kydex® ausreichend abgekühlt und erstarrt. Die ganze Einheit wird aus dem Schraubstock entnommen (es kann nichts auseinanderfallen) und erst dann werden die Zwingen gelöst. Danach wird der Formschaum langsam und gefühlvoll vom Kydex® abgelöst. Macht man es zu schnell, kann es passieren, dass der Formschaum am Kydex® kleben bleibt und abreißt. Man kann diesen zwar vom Kydex® noch entfernen, was aber sehr mühsam ist.

Hat der Abdruck nicht gut geklappt? Kein Problem. Kydex® ist ein sehr gutmütiges Material und lässt sich auch bei einem missratenen Abdruck sofort wiederverwenden. Einfach erneut in den Backofen, und es nimmt bei Erhitzung nahezu exakt wieder seine alte und plane Form an. Der nächste Abdruck kann also unmittelbar erfolgen und wird alsbald sicher zufriedenstellend sein – hier einmal ein Spyderco Bushcraft:

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Bevor es an die Formgebung der Scheide geht, muss man zunächst alle Nieten setzen. Spezielle Kydex® Nieten sind bei uns erhältlich: PUHALA – im Baumarkt sucht man sie vergebens. Die dort verfügbaren Ösen sind meist nur für dünnen Stoff geeignet – also zu kurz, zu weich und vor allem spreizen sie auseinander und legen sich rückseitig nicht gerundet um.

Damit sich die beiden losen Platten nicht mehr verschieben können, beginnt man unten mit je einer Öse rechts und links leicht unterhalb der Klingenspitze und mit präzise eingelegtem Messer. Damit nichts verrutscht, kann man die Platten mit etwas Klebeband fixieren. Vorab reinigt man die Innenseiten beider Scheidenhälften. Die Ösen müssen lang genug sein, damit sie sich ausreichend umlegen können.

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Nachdem die beiden untersten Nieten gesetzt sind, kann das Messer entnommen werden, denn nun kann sich nichts mehr verschieben.

Zum Verpressen der Ösen kann man nun die nachfolgend gezeigte mobile und preiswerte Lösung nutzen:

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Das Ergebnis links bei 2 x 2 mm – also 4 mm Gesamtmaterialstärke vom Kydex® mit einer 7 mm langen Öse (Gesamtlänge):

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Die umgelegte Kante ist mit dem einfachen Werkzeug nicht ganz sauber ausgeführt und auch nicht breit genug. Die Öse hält das Material zwar ausreichend, ist aber eine Idee zu kurz, und auch optisch ist das Alles eben noch nicht ganz perfekt.

Nun kommt das nachfolgend gezeigte – sehr hochwertige und ebenfalls mobile Werkzeug in Verbindung mit einer Drehdornpresse zum Einsatz. Durch den Führungsstift wird eine ganz präzise Führung bzw. Vernietung gewährleistet:

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Das Ergebnis links bei 2 x 2 mm – also 4 mm Gesamtmaterialstärke vom Kydex® mit einer nun 10 mm langen Öse (Gesamtlänge):

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So soll es sein….  sauber gerundet und weit genug umgelegt. Der Überstand der Niete entspricht nahezu exakt der anderen Seite. Dieses Nietwerkzueg bieten wir ebenfalls bei uns im Online Shop an: PUHALA

Fazit: bei einer doppelten Lage 2 mm Kydex® ( also 4 mm Gesamtstärke) bietet eine insgesamt 9-10 mm lange Öse in Verbindung mit einem soliden und guten Werkzeug ein Top Ergebnis.

Wer serienmäßig Kydex® Scheiden bauen möchte, für den empfiehlt sich letzteres Werkzeug als fester Einsatz in einer Drehdornpresse.

Beim Setzen der Nieten sollte man im übrigen nicht die Hammerschlag Methode wählen, da sich hier schnell etwas verschieben kann und die Vernietung der Öse mit einem Hammer dann meist sehr unsauber wird. Man sollte die Ösen also immer nur mit Druck pressen. Hierzu kann man das Druckwerkzeug auch in eine Ständerbohrmaschine einspannen.

Nun wird es ein wenig kniffelig, denn die weiteren Ösen müssen wohlbedacht gesetzt werden. Zunächst einmal sollte man zumindest einen Abstand möglichst dicht zur Abformung hin wählen, der es ermöglicht später einen Tek-Lok recht weit oben anschrauben zu können. Der Tek-Lok dient dabei als Schablone. In diesem Zusammenhang ist es nun wichtig, die letzten beiden Ösen rechts und links ganz oben schon jetzt einzuplanen. Da das Kydex® selbst extrem formstabil/ sehr hart ist und selbst praktisch nicht nachgibt, müssen die oberen Ösen im Regelfall unterhalb der Griffabformung platziert werden, damit man das Messer noch leicht genug entnehmen kann. Sitzen die beiden letzten Ösen zu weit oben, dehnt sich der Abformungsbereich nicht mehr weit genug auf, und das Messer sitzt so fest, dass es nicht mehr entnommen werden kann. Setzt man die oberen Ösen also falsch, ist die Kydex® Scheide im Grunde ruiniert….

Bei der gezeigten Puukko Scheide wird diese Regel allerdings gebrochen, da die Rasterung nicht sehr intensiv ist. Je nach Intensität der Rasterung und der Kydex® Materialstärke muss man immer ganz exakt ausloten, wo man diese beiden letzten oberen Ösen setzt. Im Zweifelsfall lieber etwas tiefer als zu hoch.

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Sitzen alle Ösen an ihrem Platz kann es an die Endformung der Scheide gehen. Diese skizziere ich mit einem Bleistift an. Danach wird mit einem gewissen Abstand zunächst einmal grob ausgesägt. Ich nutze dafür meine Hegner Dekupiersäge.

Die endgültige Form gebe ich der Scheide am Bandschleifer. Da das eine ziemliche Sauerei ist, schleife ich möglichst draußen mit Absaugung und da auch hier Dämpfe entstehen mit einer Atemschutzmaske.

Abschließend werden noch die Kanten von Hand gebrochen und feingeschliffen. Während der Schleifarbeiten verschließe ich den Innenbereich, damit möglichst keine Schleifpartikel in den Schacht gelangen. Nach Fertigstellung wird der Innenbereich trotzdem noch einmal ausgeblasen.

Bei der Puukko Scheide habe ich nachträglich mit einem Miniheißluftfön die kleine Mulde für den Bow Drill noch etwas intensiver ausgearbeitet. So rastet das Messer nun perfekt aber nicht zu fest ein und lässt sich bequem und leicht ziehen.

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Man muss bei nachträglichen Feinarbeiten unbedingt darauf achten, dass wirklich nur der gewünschte Bereich erhitzt wird. Bei großflächiger Erhitzung würden sich auch bereits fertig geformte Bereiche sofort wieder verformen, was schnell zu einem gesamten Misserfolg führen kann, denn Kydex® möchte bei Erhitzung immer sehr schnell wieder in seine ursprünglich flache Plattenform zurück. Für filigrane Nacharbeiten sollte man sich also auch eine Miniheißluftpistole mit einer kleinen Düse anschaffen, mit der man dann auch solche Feinarbeiten erledigen kann:

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Eine kleine – umgelegte Andruckfläche für den Daumen, mit der man das Messer noch bequemer ziehen kann.

Die eigentliche Scheide benötigt wie in den oberen Bildern bereits zu sehen ist noch eine Befestigungsmöglichkeit für einen Gürtel etc.. Man kann hier auf  einen Tek-Lok zurückgreifen, wobei dieser bei normaler Trageweise am Gürtel recht tief und die gesamte Scheide bzw. das Messer dadurch sehr hoch sitzt.

Alternativ kann man sich eine Gürtelhalterung aus Kydex® selber fertigen. Hierzu habe ich mir eine kleine Formpresse aus Sperrholz gebaut, mit der ich das erhitzte Kydex® in Form gebracht habe:

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Wichtig ist es auch hier, das Material nicht zu knapp abzuschneiden, da es wie oben bereits genannt bei Erhitzung schrumpft.

Die Gürtelhalterung habe ich so angebracht, dass die Scheide leicht nach hinten weg steht, so dass sie beim Hinknien nicht stört.

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