Ein neues Custom Puukko entsteht…. Part 4 – die Vollendung

Im 4 und letzten Teil geht es um die Vernietung des Erls am Griffende und die Fertigstellung des gesamten Griffes.

Zwei Möglichkeiten stehen bei der Vernietung zur Verfügung: direkt in der Abschlussplatte oder überstehend mit einer gewölbten Nietscheibe.

Ich persönlich bevorzuge die Vernietung mit einer Scheibe, weil es mir optisch besser gefällt, und insbesondere bei einem rustikalen Messer die gesamte Bauart optisch unterstrichen wird.
Im Gegensatz zur direkten Vernietung in einer Vertiefung im Backbolster, muss bei der Verwendung einer Scheibe die Abschlussplatte/ der Backbolster in jedem Fall bereits vor dem Vernieten fertig bearbeitet sein.

Dies begründet sich dadurch, dass durch die hervorstehende Vernietung später kein optisch sauberes Schleif- bzw. Poliererfinish mehr erzielt werden kann.

Wählt man wie ich die rustikalere Variante, so muss die Abschlussplatte nach der Fertigstellung bei den Folgearbeiten immer gut geschützt sein.
Insbesondere bei der Vernietung empfiehlt es sich, die Platte mit mehreren Lagen Kreppband abzukleben, und nur den kleinen Nietscheibenbereich frei zu lassen.

Das Vernieten an sich ist recht einfach durchzuführen, sofern der Erl nicht komplett mit durchgehärtet ist. Allerdings bedarf es natürlich auch hier etwas Übung und Routine.
Der Erl muss vor dem Vernieten etwa 1,5 – 2 mm über die  Nietschiebe hinausstehen und entsprechend vorab gekürzt werden. Danach werden zunächst zentrische Schläge mit dem Kugelhammer auf den Erl gegeben, so dass sich dieser verbreitert. Der Kugelhammer sorgt dafür, dass das Metall nicht einfach nur platt geschlagen, sondern eine Wölbung  erzielt wird. Die Schläge werden dann weiter nach außen geführt, so dass sich das Erlende pilzförmig auf die Nietscheibe legt.
Man kann den Erl am Ende auch rund feilen, so dass eine eher punktförmige und recht kleine Vernietung entsteht.

Mit einem kleineren Kugelhammer wird abschließend die Kante noch sauber angehämmert, so dass das Erlende plan mit der Scheibe abschließt.
Man kann die Vernietung je nach Wunsch und Messertyp dann so belassen oder aber noch feinschleifen  – das sieht dann am Ende so aus:

Nun geht es an die Griffformung und aus dem verklebten  „Lederklotz“ wird nun endlich das Griffelement.
Gleich vorab: ein optisch schönes und harmonisches Ergebnis setzt Einiges an Erfahrung und vor allem ein Gefühl für dreidimensionale Formen voraus. Daneben gilt es, die typische Griffform eines Puukko auszuarbeiten, wobei es hier diverse Möglichkeiten gibt.
Zudem reagiert jedes Material anders während des Schleifens.

Ich bevorzuge das Schleifen aus vollem Material. Damit gemeint ist, den gesamten Kantel im Vorfeld recht üppig auszuführen, so dass genug Masse für die Ausarbeitung zur Verfügung steht. Als Maß gilt hier der Standard von 4 cm in der Höhe und 3 cm in der Breite.

Im Regelfall verfügt ein Puukko sowohl in der Draufsicht, wie auch in der Seitenansicht über eine leichte geschwungene Griffform. Im Querschnitt zeigt der Griff eine ovale oder oft auch eine Tropfenform.
Bei kräftigeren Messern bzw. Leukus mit langer Klinge wird das Griffende oft sehr stark nach oben gezogen. Dies hat den Sinn, dass das Messer bei Hackarbeiten sicher in der Hand liegt bzw. nicht nach vorn aus der Hand rutschen kann. Auch mein Messer hat dieses Mal eine solche Griffform bekommen.

Für den Formschliff nutze ich einen Bandschleifer mit abwärts laufendem – schmalen Schleifband, einen kleinen Tellerschleifer und je nach Bedarf noch einen oszillierenden Spindelschleifer.
Letzterer ist besonders wichtig für die Ausarbeitung von engeren Radien. So kommt dieser Schleifer z.B. auch bei der Fertigung von Fulltangmessern zum Einsatz, wenn es um das Verschleifen der Griffschalen im Bereich des Fingerhandschutzes geht. Dank diverser Zylinderdurchmesser lässt sich so und nur mit diesem Schleifer ein perfektes Ergebnis erzielen.

Für das hochgezogene Endstück an meinem Messer habe ich den Spindelschleifer genutzt. Mit ihm kann man das Griffende sehr gut ausformen.
Die übrigen großen Radien am Griff und die Griffrundung können bequem mit dem schmalen Schleifband vorgenommen werden.

Während des Schleifens von Leder ist unbedingt darauf zu achten, dass man nur mit wenig Andruck und frischem Schleifband arbeitet, damit das Leder nicht verbrennt. Solche Stellen erscheinen dann glatt,  tiefdunkelbraun und gehen tief in das Material hinein.  Der Formschliff bei diesem Messer hat dementsprechend mit 2 Stunden Arbeit sehr lange gedauert.

Danach geht es von Hand weiter – geschliffen wird immer in beide Richtungen sozusagen auf und ab, damit sich aufgestellte Fasern der einzelnen Scheiben glätten. Den Griff nicht in Längsrichtung zu den Bolstern hin schleifen !

Währen der nun immer feiner werdenden Schleifarbeiten muss das Leder stets mit einem groben Borstenpinsel vom Lederstaub befreit werden. Tut man dies nicht, schleift man den Staub regelrecht in die Scheiben ein, was am Ende einen fleckigen Griff erzeugen würde.  Das Leder wird außerdem mit einem leicht angefeuchteten Tuch hin und wieder abgewischt. Nach dem Trocknen geht es dann immer feiner weiter.

Parallel zum Griffmaterial, werden die Außenseiten der Bolster geschliffen, und die Kanten gebrochen. Bei dieser Arbeit muss darauf geachtet werden, dass kein Messingstaub auf das Leder gelangt bzw. mit eingeschliffen wird . Auch dies würde dunkle Flecken im Leder hinterlassen.

Nach Korn 1500 ist es dann soweit. Das Leder ist nun fein genug geschliffen und besitzt eine komplett ebene Fläche. Der Griff wird nun noch mit einem Fön leicht erwärmt und dann ein Lederwachs eingearbeitet. Ich nutze hierfür SnoSeal.

Und das Endergebnis nach vielen Stunden Arbeit:

Der satte – 12,3 cm lange Griff liegt hervorragend in der Hand. Durch die mittigen Wölbungen kann das Messer gut umfasst und bei der Arbeit sicher geführt werden.

Natürlich wird auch dieses Puukko noch eine Scheide erhalten, aber aus zeitlichen Gründen muss ich dies erst einmal bis  in den Dezember verschieben.

Bei Fragen rund um den Puukkobau helfe ich gerne weiter, und wer Baumaterial benötigt, der kann gern auch einen Blick in unseren Shop werfen: PUHALA